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CO₂-reduzierter Beton für Wiens Schulbau

Baustelle_Zentralberufsschule Seestadt Aspern

38.000 Kubikmeter Ortbeton, rund 5.000 Tonnen weniger CO₂ und ein Bauvolumen von 200 Millionen Euro: Beim Neubau der Zentralberufsschule in der Seestadt Aspern setzt die Porr auf klinkerreduzierten Zement der Type CEM II/C. Das Großprojekt zeigt, wie sich CO₂-reduzierter Beton auch bei anspruchsvollen Hochbauten in großen Mengen einsetzen lässt. Ergänzt wird das Konzept durch Geothermie und Photovoltaik.

In der Wiener Seestadt Aspern entsteht Österreichs größtes Berufsschulgebäude. Das Zentralberufsschulgebäude (ZBG) wird im Rahmen eines Public-Private-Partnership-Modells (PPP) von Porr und Apleona Austria im Auftrag der Stadt Wien errichtet. Mit einem Projektwert von rund 200 Millionen Euro gilt es als größtes PPP-Hochbauprojekt Österreichs.

Das neue Zentralberufsschulgebäude Seestadt Aspern verbindet soziale Interaktion und individuelle Entfaltung. Fotos: Kronaus Mitterer Architekten/janousekhavlicek.cz; BDÖ/Stefan Seelig

Neben den Dimensionen des Neubaus steht vor allem die Reduktion der baubedingten CO₂-Emissionen im Mittelpunkt. Dafür kommt bei den Ortbetonarbeiten großflächig ein Zement mit reduziertem Klinkeranteil zum Einsatz.

CEM II/C reduziert den Klinkeranteil

Für die insgesamt rund 38.000 Kubikmeter Ortbeton wird Zement der Type CEM II/C verwendet. Im Unterschied zu herkömmlichem Portlandzement enthält dieser nur etwa 50 bis 64 Prozent Portlandzementklinker.

Die Reduktion ist für die CO₂-Bilanz entscheidend. Bei der Herstellung von Zementklinker entstehen sowohl prozessbedingte Emissionen aus der Entsäuerung des Kalksteins als auch energiebedingte Emissionen durch die hohen Brenntemperaturen. Ein geringerer Klinkeranteil senkt deshalb den CO₂-Fußabdruck des Bindemittels.

Gleichzeitig muss der Beton die Anforderungen an Festigkeit, Dauerhaftigkeit und Verarbeitung erfüllen. Beim Schulneubau wurden dafür die Betonrezepturen entsprechend angepasst.

„Am ZBG Seestadt Aspern haben wir mit dem CEM-II/C-Zement sehr gute Erfahrungen gemacht: Wir konnten ihn mit Anpassungen an der Rezeptur genauso zuverlässig verarbeiten wie herkömmlichen Zement, ohne Kompromisse bei der Qualität“, erklärt Karl-Heinz Strauss, CEO der Porr AG.

Gruppenfoto Strauss_Spaun_Mitterer_Schneider_Ollinger
(v.l.n.r.): Karl-Heinz Strauss (Porr), Sebastian Spaun (VÖZ, Beton Dialog Österreich), Peter Mitterer (Kronaus Mitterer Architekten), Patrick Schneider (Porr), Gerald Ollinger (Stadt Wien – Schulen, MA 56)

Auch die österreichische Zementindustrie sieht darin einen wichtigen Schritt zur Emissionsreduktion im Hochbau.

„Mit den CEM-II/C-Zementen stellt unsere Industrie einen wichtigen Hebel für die Dekarbonisierung des Bauens zur Verfügung. Das ZBG Seestadt Aspern zeigt, wie sich dieser CO₂-reduzierte Zement in einem Großprojekt bewährt“, sagt Sebastian Spaun, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ).

5.000 Tonnen CO₂ bereits eingespart

Bis zum 31. Juli 2026 wurden auf der Baustelle rund 36.000 Kubikmeter CO₂-reduzierter Beton verarbeitet. Damit war bereits der überwiegende Teil der vorgesehenen Ortbetonmenge eingebaut.

Nach Angaben von Porr und Apleona Austria konnten dadurch rund 5.000 Tonnen CO₂ eingespart werden. Das entspricht einer Reduktion von 58 Prozent gegenüber dem von der Österreichischen Bautechnik Vereinigung (ÖBV) definierten Referenzbeton.

Die Zahlen verdeutlichen das Einsparpotenzial klinkerreduzierter Zemente bei großen Betonmengen. Entscheidend ist dabei nicht allein die CO₂-Bilanz des Bindemittels. Auch die Abstimmung der Betonrezeptur auf die bautechnischen Anforderungen spielt eine wesentliche Rolle.

Für die Baupraxis zeigt das Projekt, dass sich CO₂-reduzierter Beton mit entsprechenden Rezepturanpassungen auch bei umfangreichen Ortbetonarbeiten einsetzen lässt. Die Erfahrungen aus Aspern könnten damit für weitere öffentliche Hochbauprojekte von Interesse sein.

49.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche

Das neue Berufsschulzentrum entsteht in der Edith-Piaf-Straße. Auf rund 29.000 Quadratmetern Nutzfläche und einer Bruttogeschossfläche von etwa 49.000 Quadratmetern werden künftig sieben bestehende Wiener Berufsschulen zusammengeführt.

Das Gebäude bietet Platz für jährlich bis zu 7.500 Schülerinnen und Schüler sowie rund 350 Beschäftigte. Darunter befinden sich etwa 300 Lehrkräfte. Der Ausbildungsbetrieb soll im September 2028 beginnen.

Der Gebäudekomplex besteht aus einem 26 Meter hohen Hauptgebäude mit fünf Obergeschossen und einem separaten zweigeschossigen Werkstattgebäude.

Im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss befinden sich Werkstätten, Gemeinschaftsbereiche und Unterrichtsräume für den Einzelhandel. Darüber liegt ein Verwaltungsgeschoss. Drei weitere Gebäudeteile nehmen zusätzliche Klassenräume auf.

Zentralberufsschule Aspern Mall
Die zweigeschossige Mall bildet das Zentrum und dient als gemeinsamer Aufenthalts- und Erschließungsbereich.

Lichtschächte führen Tageslicht bis in tiefer liegende Gebäudebereiche. Terrassen ermöglichen Unterricht im Freien. Das Zentrum bildet eine zweigeschossige sogenannte Mall, die als gemeinsamer Aufenthalts- und Erschließungsbereich dient.

Die Planung stammt von Kronaus Mitterer Architekten ZT GmbH. Die Unterrichtsräume sind auf möglichst realitätsnahe Arbeitsumgebungen ausgerichtet. Dazu gehören unter anderem Werkstätten und speziell ausgestattete Ausbildungsbereiche.

140 Erdwärmesonden und 470 kWp Photovoltaik

Auch bei der späteren Energieversorgung setzt das Projekt auf eine weitgehend fossilfreie Lösung. Kernstück ist ein Geothermiesystem mit rund 140 Erdwärmesonden und fünf zusätzlichen Reservesonden.

Die im Erdreich gespeicherte Wärme wird im Winter zum Heizen genutzt. Im Sommer dient das System zur Gebäudekühlung. Die Wärme- und Kälteabgabe erfolgt über Fußbodenheizungen beziehungsweise Deckenpaneele.

Ergänzend kommen eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung, bauliche Verschattung und Sonnenschutzverglasungen zum Einsatz. Diese Maßnahmen sollen insbesondere die sommerliche Überhitzung begrenzen und den Energiebedarf reduzieren.

Auf den Dachflächen werden außerdem Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 470 kWp installiert. Sie sollen einen Teil des Strombedarfs direkt am Standort decken.

Damit verbindet das Zentralberufsschulgebäude zwei wesentliche Ansätze für klimaverträglicheres Bauen: die Reduktion der CO₂-Emissionen bei der Baustoffherstellung und eine energieeffiziente Gebäudetechnik im späteren Betrieb.

www.betondialog.at.

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