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Betonbau neu: schlank & digital

5 Siegerprojekte

Die Transformation im Betonbau nimmt spürbar Fahrt auf. Neue Forschungsprojekte, konkrete Baustellenanwendungen und der internationale Studierendenwettbewerb Concrete Design Competition zeigen, wie sich Materialeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung zunehmend in der Praxis durchsetzen. Für die Branche bedeutet das: weniger Materialeinsatz, reduzierte Emissionen und zugleich höhere Präzision in Planung und Ausführung.

Materialeffizienz durch Robotik und 3D-Druck

Ein zentraler Hebel liegt in der strukturellen Optimierung von Betonbauteilen. An der BOKU Wien arbeiten Forschende an robotergestützten Fertigungsprozessen, die Bauteile gezielt nach Lastpfaden formen. Dadurch lassen sich laut Projektangaben 20 bis 40 Prozent Material einsparen, ohne die Tragfähigkeit zu beeinträchtigen. Parallel dazu zeigt das Projekt C3PO der Hochschule Campus Wien, dass sich 3D-gedruckte Bauteile mit klinkerarmen Zementen und topologieoptimierten Querschnitten technisch umsetzen lassen.

Mit dem Folgeprojekt C3PRO, das seit Herbst 2025 gemeinsam mit der TU Wien und 27 Industriepartnern läuft, wird dieser Ansatz weiter in Richtung industrieller Skalierung entwickelt. Ziel ist es, die additive Fertigung im Betonbau aus dem experimentellen Stadium in robuste Bauprozesse zu überführen.

CO₂-Speicherung und Kreislaufwirtschaft

Neben der Materialreduktion rückt die Kreislaufwirtschaft stärker in den Fokus. Im Projekt CarboRate untersucht die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie gemeinsam mit der Smart Minerals GmbH, wie Beton durch gezielte Carbonatisierung CO₂ aufnehmen kann. Besonders relevant ist dabei die Nutzung von Betonabbruch als dauerhafte CO₂-Senke.

Diese Ansätze sind nicht nur theoretisch. Sie adressieren direkt die steigenden Anforderungen an die CO₂-Bilanz von Bauprojekten und eröffnen neue Verwertungswege für mineralische Baurestmassen.

Digitale Baustelle als neuer Standard

Wie weit die Digitalisierung bereits fortgeschritten ist, zeigt der Semmering-Basistunnel. Dort werden Laserscans, BIM-Modelle, LEAN-Management und KI kombiniert, um Planung, Ausführung und Betriebsübergabe durchgängig digital abzubilden. Die Integration dieser Systeme ermöglicht eine präzisere Steuerung komplexer Bauprozesse und reduziert Schnittstellenverluste.

Auch im Hochbau zeigt sich der Nutzen digitaler Methoden. Ein seit 2017 weiterentwickeltes Berechnungsverfahren erlaubt eine um mindestens 30 Prozent genauere Modellierung des Tragverhaltens von Hochhäusern. Beim DC Tower 2 führte das dazu, dass ein geplanter Schwingungskompensator entfiel. Dadurch konnten rund 200 Tonnen Stahl sowie etwa 5 Prozent des Beton- und Bewehrungsbedarfs eingespart werden.

Wettbewerb als Innovationsmotor

Diese Entwicklungen spiegeln sich auch im akademischen Nachwuchs wider. Die Concrete Design Competition 2025/26 stand unter dem Motto „Transform“ und stellte materialeffiziente, rückbaubare und recyclinggerechte Bauweisen in den Mittelpunkt. Juryvorsitzender Werner Sobek betont: „Bauwerke mit minimalem Materialaufwand zu errichten, die vollständig rückbaubar und sortenrein recycelbar sind“, sei die zentrale Aufgabe der Branche.

Werner Sobek, Claudia Dankl, Lilli Platzer, Josef-Dieter Deix
v. l. n. r.: Werner Sobek, Claudia Dankl, Lilli Platzer, Josef-Dieter Deix.

Aus 31 Einreichungen wurden fünf Projekte prämiert – siehe unten. Die Preisträger:innen kommen von der Fachhochschule Kärnten, der Hochschule Campus Wien und der TU Wien. Für Claudia Dankl von Beton Dialog Österreich ist klar: „Beton ist der Hebel, ohne den uns die Transformation des Bauwesens nicht gelingen wird.“

Vom Labor in die Anwendung

Dass viele dieser Ansätze bereits auf Baustellen umgesetzt werden, bestätigt Josef-Dieter Deix, COO der PORR AG: „Viele der in der Jurysitzung diskutierten Ideen sind bereits in der Baupraxis angekommen – vom Baustoffrecycling über die Digitalisierung bis hin zu neuen Betonrezepten.“

Im Recycling Center Himberg verwertete die PORR im vergangenen Jahr rund 83.500 Tonnen Beton. Gleichzeitig treibt das Unternehmen die Entwicklung emissionsarmer Baustoffe voran. Im Projekt „SmartStreet“ wird gemeinsam mit der Universität Innsbruck eine KI trainiert, um Materialeigenschaften von Recyclingbeton vorab zu bestimmen.

Ein konkretes Praxisbeispiel liefert die Baustelle der Zentralberufsschule Aspern in Wien. Durch den Einsatz von CEM II/C-Zement und optimierte Transportwege konnten dort rund 4.200 Tonnen CO₂-Äquivalent eingespart werden.

Der Betonbau steht an einem Wendepunkt

Die aktuellen Entwicklungen zeigen klar, wohin die Reise geht. Materialeffizienz, CO₂-Reduktion und Digitalisierung sind keine Zukunftsthemen mehr, sondern prägen bereits heute Planung und Bauausführung. Entscheidend wird sein, wie schnell diese Innovationen flächendeckend in die Baupraxis integriert werden.

www.betondialog.at

Fotos: BDÖ/Stefan Seelig, Preisträger


Gewinner:innen der Concrete Design Competition 2025/26

GewinnerInnen der CDC 2025/26
Die GewinnerInnen der Concrete Design Competition 2025/26 bei der Preisverleihung im Az W am 25. Juni 2026.

1. Platz: High Performance Vault

1. Platz high-performance-vault

Lilli Platzer, Thomas Nissler, Lisa-Marie Hubert / Fachhochschule Kärnten: High Performance Vault. Studierende des Bauingenieurwesens entwickelten ein leichtes, komplex geformtes Betongewölbe, gefertigt mit 3D-Druck, Lasercutter und einer aufblasbaren Schalung, überzeugte es sowohl konstruktiv als auch gestalterisch.

2. Platz (geteilt): Topology Optimization of an Additively Manufactured Concrete Beam as a Basis for a Life Cycle Assessment Comparison

2. Platz topology-optimization breit

Nina Sam, Marc-Patrick Pfleger, Elisabeth Radl / Hochschule Campus Wien: Topology Optimization of an Additively Manufactured Concrete Beam as a Basis for a Life Cycle Assessment Comparison. Ein robotergedruckter Betonträger in optimierter Form reduziert den Materialverbrauch bei gleichbleibender Stabilität.

2. Platz (geteilt): Transform Reinforcement – From Orthogonal Grids to Tailored Reinforcement Layouts

2. Platz transform-reinforcement

Patrick Leitner, Simon Leitner / Technische Universität Wien: Transform Reinforcement – From Orthogonal Grids to Tailored Reinforcement Layouts. Statt herkömmlichem Stahl werden Basaltfasern maschinell entlang der Kraftlinien eingelegt – materialeffizient, umweltfreundlich und so flexibel, dass faltbare Betonplatten möglich sind.

Anerkennung: Reuse of Concrete Components

Annerkennung: reuse-concrete-components

Nadine Exß, Bettina Jung / Technische Universität Wien: Reuse of concrete components
Ein Gebäudeentwurf, der alte Betonträger und Stahlteile vom Wiener Westbahnhof als tragende Elemente einer gefalteten Dachkonstruktion wiederverwendet.

Lobende Erwähnung: A Pool Made of Rubble

Lobend erwähnt: A Pool Made of Rubble

Dina Unterfrauner / Technische Universität Wien: A Pool Made of Rubble
Aus alten Betonplatten eines Wiener Brachgrundstücks wurde direkt vor Ort ein Pool gebaut – ein praktisches Experiment zur Wiederverwendung von Abbruchmaterial, das vor allem durch seine Symbolkraft überzeugte.

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