Künstliche Intelligenz unterstützt Bauleiter bereits heute bei zahlreichen Aufgaben – von Building Information Modeling (BIM) über Projektmanagement und Baustellenüberwachung bis hin zur Automatisierung repetitiver Tätigkeiten oder dem Einsatz von Robotik. Allen derzeit verbreiteten KI-Sprachmodellen ist jedoch eines gemeinsam: Sie interpretieren ausschließlich Textinformationen. Räumliche und zeitliche Dimensionen bleiben unberücksichtigt.
Damit fehlt Large Language Models (LLM) ein fundamentales Verständnis für lokale Zusammenhänge, Vergleichbarkeit und Dynamiken auf Baustellen. Fragen nach optimalen Lagerplätzen auf Linienbaustellen, nach der Entwicklung von Mannschaftskapazitäten über mehrere Jahre oder nach verkehrsabhängigen Anlieferungsstrategien können sie nicht beantworten. Ihnen fehlt das Raum-Zeit-Kontinuum – und damit die Geointelligenz.
Deutsche Technologie schließt zentrale KI-Lücke
Das bayerische Deep-Tech-Unternehmen The Green Bridge (TGB) setzt genau hier an. Mit einer eigenständigen, europäischen Technologie erweitert TGB klassische Sprachmodelle um eine räumlich-zeitliche Intelligenz. Ziel ist es, Baustellen effizienter zu steuern, Ressourcen besser zu nutzen und Problemzonen frühzeitig zu erkennen – unabhängig von US-amerikanischen KI-Plattformen.
Die Technologie bettet räumliche Daten in Zeithorizonte ein und erkennt Veränderungen sowie Dynamiken automatisiert. Damit entsteht eine neue Generation intelligenter Systeme, die weit über textbasierte KI hinausgeht.
Überwindbare Defizite heutiger Sprachmodelle
Verändern sich Daten, behandeln Standard-LLMs jede Aktualisierung als isolierte Information. Zusammenhänge über Raum und Zeit bleiben unsichtbar. Selbst fortschrittliche KI-Systeme, die mit Objekt- oder Sensordaten arbeiten, scheitern ohne externe GIS-Logik an der Analyse veränderlicher Geografien.
Weder große Technologiekonzerne wie Microsoft, Google, OpenAI oder Meta verfügen bislang über Modelle mit echter spatio-temporaler Kompetenz. Für diese Fähigkeit braucht es neben einem Sprachmodell eine universelle räumliche Sprache.
Das Large Geo-Grid Model als räumliche Grammatik
Um diese Herausforderung zu lösen, entwickelte das Team um Prof. Dr. Roman Brylka das Large Geo-Grid Model (LGM). Grundlage ist das EEA Reference Grid der European Environment Agency – ein europaweit einheitliches, offenes Referenzraster. The Green Bridge überführt dieses Raster in einen globalen Maßstab.
Das Modell unterteilt die Erde in ein präzises, hierarchisches Gitter aus festen Zellen. Jede Zelle erhält: eine permanente ID, eine definierte Nachbarschaft, klare Eltern-Kind-Beziehungen über 17 Rasterebenen sowie eine Größenskalierung von 1 Millimeter bis 100 Kilometer.
So entsteht eine stabile Grammatik des Raumes, die Richtung, Entfernung, Umgebung und zeitliche Entwicklung abbildet.
Maschinenlesbares Beziehungsnetzwerk
Sobald Daten – etwa zu Lagerflächen, Anlieferungszeiten, Fachkräfteverteilung, Arbeits- und Pausenzeiten, Energiekosten, Wetter, Verzögerungen oder Nachkalkulationen – auf dieses Raster projiziert werden, wird jede Zelle zu einem konsistenten räumlichen Token mit Zeitstempel.
Diese Tokens entwickeln sich über die Zeit weiter. Das LGM lernt selbstständig:
- wie Zellen miteinander verbunden sind
- wie sich Daten von unten nach oben aggregieren
- wie Entfernungen, Ausrichtungen und Dichten zusammenwirken
Dadurch erkennt das Modell räumliche Dynamiken, verfolgt Wachstumsfronten, identifiziert Hotspots und analysiert Clustering-Trends. Es versteht, was sich verändert, wo, wie schnell und in welche Richtung.
Komplexe Fragen einfach prompten
Für Baustellenleiter bedeutet das einen Paradigmenwechsel. Komplexe Fragestellungen lassen sich künftig so einfach formulieren wie bei einem Sprachassistenten:
Wo befinden sich geeignete Lagerplätze für Bewehrungsgitter?
Wann ist eine Anlieferung verkehrstechnisch optimal?
Wo drohen Kollisionen von Arbeitsabläufen?
Welche LKW transportieren welche Baustoffe wie lange zwischen Baustellen?
Wo stockt der Workflow und lohnt sich der Einsatz zusätzlicher Fachkräfte?
Die Antworten liefert das System in Sekundenschnelle – visuell aufbereitete Karten inklusive Erklärung. Das erleichtert Planung, Nachkalkulation und vorausschauende Steuerung erheblich.
Einzigartig: Geo-Grid trifft Sprachmodell
Die Kombination aus Geo-Grid-Modell und Sprachmodell bildet die Grundlage für echte künstliche Intelligenz. In diesem sogenannten Large Intelligence Model (LIM) übernimmt das LLM die Denk- und Kommunikationsebene, während das LGM die räumlich-zeitliche Logik bereitstellt.
Das Sprachmodell formuliert strukturierte Tool-Aufrufe, das Geo-Grid-Modell führt die räumliche Analyse durch und gibt Ergebnisse zurück, die das LLM interpretieren und erklären kann. Wetterdaten, Verkehrsflüsse, Preisentwicklungen oder Energiekosten fließen ebenso ein wie baustellenspezifische Kennzahlen.
Mehr Effizienz durch räumliche KI
Mit dieser Technologie erhalten Bauunternehmen ein leistungsfähiges Werkzeug, um Produktivität zu steigern, Risiken zu minimieren und Entscheidungen datenbasiert zu treffen. The Green Bridge setzt damit einen neuen Standard für KI-Anwendungen im Bauwesen und darüber hinaus.
