Strabag übernimmt zentrale Unternehmensteile von Kovanda: Ein Meilenstein für die österreichische Kreislaufwirtschaft
Wichtigste Erkenntnisse
- Strategische Übernahme: Die Strabag AG übernimmt nach Freigabe durch die Bundeswettbewerbsbehörde wesentliche Unternehmensteile der Kovanda-Gruppe in Gerasdorf (Niederösterreich).
- Fokus auf Recycling: Der Deal umfasst zwei Betonmischanlagen, eine Bodenaushubdeponie sowie Abbau- und Recyclinganlagen, was die Position der Strabag im Bereich Recyclingbeton massiv stärkt.
- Mitarbeiter-Garantie: Alle rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kovanda-Gruppe werden vollständig von der Strabag übernommen.
- Klimaneutralität 2040: Die Übernahme ist ein zentraler Baustein der Strabag-Nachhaltigkeitsstrategie, die eine vollständige Dekarbonisierung und Klimaneutralität des Konzerns bis 2040 vorsieht.
- Österreichischer Markt: Angesichts von rund 11,4 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfällen jährlich in Österreich wird das Baustoffrecycling (Urban Mining) zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Die österreichische Bauwirtschaft steht vor einer historischen Transformation. Mit dem Closing der Übernahme wesentlicher Unternehmensteile der Kovanda-Unternehmensgruppe durch Österreichs größten Baukonzern, die Strabag AG, wird ein starkes Signal in Richtung Kreislaufwirtschaft gesendet. Die Transaktion, die Ende Mai 2025 bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) angemeldet und genehmigt wurde, markiert einen strategischen Schulterschluss zweier Unternehmen, die Nachhaltigkeit als Kern ihres Geschäftsmodells definiert haben. [1] [2]
Die Details der Übernahme: Gerasdorf wird zum Recycling-Hub
Nach fast 90-jähriger Unternehmensgeschichte in Gerasdorf bei Wien übergibt die Familie Kovanda wesentliche operative Teile an die Strabag. Der Asset-Deal umfasst nicht nur Liegenschaften, Geräte und den Fuhrpark, sondern greift tief in die Infrastruktur der regionalen Baustoffversorgung ein.
Laut den Anmeldedetails bei der Bundeswettbewerbsbehörde umfasst die Übernahme konkret:
- Den Betrieb von zwei Betonmischanlagen am Standort Gerasdorf.
- Eine aktive Bodenaushubdeponie in Gerasdorf.
- Eine geplante Baurestmassendeponie in Markgrafneusiedl.
- Eine in Planung befindliche Recyclinganlage in Gerasdorf (inklusive aller Genehmigungen).
- Abbaurechte für bestimmte Kies-, Sand- und Schottervorkommen.
Besonders wichtig für die Region: „Unsere rund 50 Mitarbeiter:innen werden vollständig übernommen, ihre Arbeitsplätze bleiben gesichert“, betont KR Leopold Kovanda, der das Familienunternehmen in vierter Generation gemeinsam mit KR Ing. Eva Kovanda und Tochter Eva Kovanda jun. führt. „Mit der Strabag haben wir eine Partnerin gefunden, die unsere Werte teilt – von Regionalität über Nachhaltigkeit bis hin zu Innovation.“
Der strategische Hintergrund: „Work On Progress“ und Klimaneutralität
Für die Strabag SE, die im Geschäftsjahr 2025 erstmals die Marke von 20 Milliarden Euro Bauleistung überschritten hat [4], ist der Zukauf kein reines Volumengeschäft, sondern ein gezieltes Investment in die Kreislaufwirtschaft. Der Konzern hat sich im Rahmen seiner Strategie „Work On Progress“ verpflichtet, bis 2040 entlang der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral zu sein.
Ein entscheidender Hebel zur Erreichung dieses Ziels ist die Reduktion von Primärrohstoffen (wie Kies und Sand) durch den Einsatz von Recyclingbeton (R-Beton). Kovanda gilt in Ostösterreich als Pionier bei der Entwicklung innovativer Recyclingbetone und der Wiederaufbereitung von Bauschutt.
„Durch konsequente Kreislaufwirtschaft – über Recycling von Beton und Baumaterialien sowie durch die Entwicklung innovativer Recyclingbetone – haben wir Maßstäbe für eine nachhaltigere Bauwirtschaft gesetzt. Denn eine Baubranche der Zukunft, die ressourcenschonend und nachhaltig arbeitet, ist für uns ein zentrales Anliegen, ebenso wie für die Strabag.“ – KR Leopold Kovanda
Der Marktkontext: Bau- und Abbruchabfälle als Rohstoffquelle
Die Bedeutung von Urban Mining (der Rückgewinnung von Rohstoffen aus bestehenden Gebäuden) wächst in Österreich rasant. Jährlich fallen hierzulande rund 11,4 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle an, was etwa 16,4 Prozent des gesamten österreichischen Abfallaufkommens entspricht.
Derzeit werden laut dem Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) rund 70 Prozent dieser Abfälle (ca. 8 Millionen Tonnen) recycelt. Das erklärte Branchenziel ist es, diese Quote in den kommenden Jahren auf 90 Prozent zu steigern.
Die Strabag treibt diese Entwicklung aktiv voran. Bei der Herstellung von R-Beton unterscheidet man in der Praxis zwischen Betonsplitt (der zu mindestens 90 Prozent aus reinem Betonabbruch bestehen muss) und Bauwerkssplitt (der bis zu 30 Prozent Mauerwerksanteil wie Ziegel enthalten darf). Die Integration der Kovanda-Anlagen ermöglicht es der Strabag, den lokalen Materialkreislauf im Großraum Wien weiter zu schließen: Aufgebrochene Baustoffe können in Baustellennähe aufbereitet und als hochwertige RC-Gesteinskörnung wieder in den Hoch- und Tiefbau rückgeführt werden. [7]
| Kennzahl / Detail | Strabag AG (Konzern) | Kovanda-Übernahme (Gerasdorf) |
|---|---|---|
| Bauleistung (2025) | > 20 Milliarden Euro | Asset-Deal (Betrag nicht veröffentlicht) |
| Mitarbeiter | > 70.000 weltweit | ca. 50 (werden zu 100% übernommen) |
| Kernanlagen | Internationales Netzwerk | 2 Betonmischanlagen, 1 Bodenaushubdeponie |
| Strategisches Ziel | Klimaneutralität bis 2040 | Ausbau der Kreislaufwirtschaft & R-Beton |
| Geplante Erweiterungen | – | Recyclinganlage Gerasdorf, Deponie Markgrafneusiedl |
Fazit: Die EU-Taxonomie als Markttreiber
Die Übernahme von Kovanda durch die Strabag ist symptomatisch für die Konsolidierung und Spezialisierung innerhalb der österreichischen Bauwirtschaft. Angetrieben durch die EU-Taxonomie, die ab 2024 strenge Nachhaltigkeitskennzahlen für Unternehmen fordert, wird CO2-reduziertes Bauen vom Nischen- zum Standardprodukt. Jede Baumaßnahme muss zunehmend hinsichtlich ihrer Klimaauswirkungen dokumentiert werden. Unternehmen, die wie die Strabag direkten Zugriff auf hochwertige Recyclingbaustoffe haben, sichern sich somit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bei zukünftigen Ausschreibungen – insbesondere bei öffentlichen Auftraggebern wie der ASFINAG oder den ÖBB.
Wie Bauunternehmen von der Kreislaufwirtschaft profitieren können
- Materialströme analysieren: Prüfen Sie bei jedem Abbruchprojekt, welche Materialien sortenrein getrennt und dem Recycling (z.B. als Betonsplitt) zugeführt werden können.
- R-Beton ausschreiben: Integrieren Sie Recyclingbeton aktiv in Ihre Planungen und Leistungsverzeichnisse, um die CO2-Bilanz des Bauwerks zu verbessern.
- Regionale Partner nutzen: Setzen Sie auf lokale Aufbereitungsanlagen (wie jene in Gerasdorf), um Transportwege und damit verbundene Emissionen zu minimieren.
- EU-Taxonomie vorbereiten: Dokumentieren Sie den Einsatz von Sekundärrohstoffen präzise, um bei Ausschreibungen die geforderten Nachhaltigkeitskriterien (ESG) erfüllen zu können.
- Ressourcen schonen: Reduzieren Sie Deponiekosten, indem Sie Bodenaushub und Bauschutt nicht als Abfall, sondern als wertvollen Sekundärrohstoff betrachten.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Kreislaufwirtschaft am Bau
Warum übernimmt die Strabag die Anlagen von Kovanda? Die Strabag sichert sich damit wichtige Anlagen (Betonmischwerke, Deponien) und das Know-how von Kovanda im Bereich Betonrecycling. Dies ist ein zentraler Schritt, um das Konzernziel der Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen.
Was passiert mit den Mitarbeitern von Kovanda? Alle rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kovanda-Gruppe am Standort Gerasdorf werden von der Strabag vollständig übernommen.
Was genau ist Recyclingbeton (R-Beton)? R-Beton ist ein Beton, bei dessen Herstellung natürliche Gesteinskörnungen (wie Kies und Sand) teilweise durch aufbereiteten Bauschutt (Betonabbruch oder Bauwerkssplitt) ersetzt werden.
Wie hoch ist die Recyclingquote von Bauschutt in Österreich? Derzeit werden in Österreich rund 70 Prozent der jährlich anfallenden 11,4 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle recycelt. Die Branche strebt eine Quote von 90 Prozent an.
Ist R-Beton qualitativ gleichwertig zu normalem Beton? Ja. Technisch gesehen kann R-Beton auch für tragende Bauteile im Hochbau eingesetzt werden. Durch betontechnologische Anpassungen in der Herstellung erfüllt er alle geforderten Normen und Eigenschaften (inklusive Sichtbetonqualität).
Quellen: [1] Baublatt.at: Strabag übernimmt zentrale Unternehmensteile von Kovanda. (Ursprünglicher Artikel) [2] Kraftkinz: Kovanda setzt mit der starken Partnerin STRABAG nächste Schritte für eine nachhaltige Bauwirtschaft. (https://kraftkinz.com/2025/05/28/kovanda-setzt-mit-der-starken-partnerin-strabag-nachste-schritte-fur-eine-nachhaltige-bauwirtschaft/) [3] Bundeswettbewerbsbehörde (BWB): STRABAG AG; Erwerb von wesentlichen Teilen der KOVANDA-Gruppe (Z-6947). (https://www.bwb.gv.at/en/merger-control/2025/7002) [4] Strabag Newsroom: STRABAG SE erreicht im Geschäftsjahr 2025 neue Meilensteine. [5] Strabag SE: Strategy 2030 / Nachhaltigkeitsstrategie. [6] bvse / VOEB: 90 Prozent der österreichischen Bau- und Abbruchabfälle sind recycelbar. (https://www.bvse.de/gut-informiert-mineralik/nachrichten-mineralik/9830-90-prozent-der-oesterreichischen-bau-und-abbruchabfaelle-sind-recycelbar.html) [7] Strabag Work On Progress: Recycling-Beton. (https://work-on-progress.strabag.com/de/material-kreislaufwirtschaft/baustoffrecycling/recycling-beton)

