Die Baukonjunktur bleibt 2026 das dominierende Thema der österreichischen Zement- und Betonindustrie – und der Handlungsdruck wächst. Eine aktuelle Branchenumfrage zeigt, dass nahezu alle Unternehmen rasche politische Impulse erwarten. Gleichzeitig treibt die Branche ihre Transformation in Richtung Klimaneutralität, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft konsequent voran. Für Bauunternehmen und Auftraggeber bedeutet das, dass sich die Rahmenbedingungen für Projekte kurzfristig spürbar verändern könnten.
Konjunktur und politische Rahmenbedingungen im Fokus
Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage zeichnen ein klares Bild: 97 Prozent der befragten Unternehmen sehen die Belebung der Baukonjunktur als wichtigste Priorität im Jahr 2026. Auch die eigene Auftragslage bleibt unter Druck, zwei Drittel der Betriebe stufen deren Verbesserung als zentrale Aufgabe ein. Grundlage ist eine Erhebung unter 82 Entscheidungsträger:innen, durchgeführt von Raffeiner Reputation im Auftrag von Beton Dialog Österreich im Februar und März 2026.
Parallel dazu formuliert die Branche klare Erwartungen an die Politik. Eine überwältigende Mehrheit fordert Deregulierung und einen spürbaren Bürokratieabbau, während gleichzeitig Maßnahmen zur Ressourcenschonung und zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft weiter vorangetrieben werden sollen. Aus Sicht der Unternehmen braucht es vor allem gezielte Investitionsimpulse, um die Bauwirtschaft wieder in Schwung zu bringen.
„Die heimische Baukonjunktur braucht dringend klare politische Rahmenbedingungen, damit sich die Bauwirtschaft zukunftsfit und klimagerecht transformieren kann“, betont Anton Glasmaier, Vorstandsvorsitzender von Beton Dialog Österreich. Er fordert unter anderem eine stärkere Bündelung zentraler Kompetenzen rund um Bauen, Wohnen und Infrastruktur sowie deutlich mehr Mittel für Gemeinden im Rahmen des Finanzausgleichs. Diese Investitionen seien notwendig, um Projekte im Wohnbau, in der öffentlichen Infrastruktur sowie bei Maßnahmen zur Klimawandelanpassung voranzutreiben.schaftlicher Druck bei gleichzeitig langfristigem Transformationsanspruch.

Infrastruktur, Technik und Klimaziele als Treiber
Besonders im Ausbau der öffentlichen Infrastruktur und im leistbaren Wohnbau sieht die Branche ihre größten Chancen. Zwei von drei Unternehmen nennen Infrastrukturprojekte als wichtigsten Wachstumstreiber, und auch mittelfristig bleibt dieser Bereich für viele Betriebe der entscheidende Motor. Beton spielt dabei weiterhin eine zentrale Rolle, insbesondere überall dort, wo dauerhafte und robuste Lösungen gefragt sind.
„Beton bleibt überall dort unverzichtbar, wo dauerhafte und robuste Lösungen gefragt sind. Moderne Infrastruktur und leistbarer Wohnraum sind ohne diesen Baustoff kaum denkbar“, so Glasmaier.
Auch aus technischer Sicht positioniert sich Beton klar. Vor allem beim platzsparenden Bauen – etwa durch Nachverdichtung, Aufstockungen oder Bauweisen in die Höhe und Tiefe – sehen viele Unternehmen großes Potenzial. Die hohe Tragfähigkeit bei gleichzeitig kompakter Bauweise ermöglicht Lösungen, die sowohl ökonomisch als auch ökologisch relevant sind. Darüber hinaus wird die Langlebigkeit von Betonbauwerken als entscheidender Vorteil hervorgehoben, ebenso wie die zunehmende Bedeutung der Kreislauffähigkeit des Materials.
Ein weiterer Aspekt, der in der Praxis an Bedeutung gewinnt, ist die thermische Bauteilaktivierung. Dabei wird die Fähigkeit von Beton genutzt, Wärme und Kälte zu speichern und zeitverzögert abzugeben. Dieses Prinzip ermöglicht eine energieeffiziente Temperierung von Gebäuden und kann insbesondere in Kombination mit erneuerbaren Energien einen wichtigen Beitrag zur Reduktion des Energiebedarfs leisten.
Trotz der angespannten konjunkturellen Lage bleibt Nachhaltigkeit eine strategische Priorität. Ein Großteil der Unternehmen hat Maßnahmen wie Recycling, Wiederverwertung von Rohstoffen und den Einsatz erneuerbarer Energien bereits fest in den Betriebsabläufen verankert. Gleichzeitig wird intensiv daran gearbeitet, den CO₂-Fußabdruck von Zement und Beton weiter zu reduzieren und die Vergleichbarkeit von Ökodaten mit anderen Baustoffen zu verbessern.

Für die Praxis ergibt sich daraus ein klares Bild: Die kurzfristige Entwicklung der Baukonjunktur hängt maßgeblich von politischen Impulsen ab, während gleichzeitig technische Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit zu entscheidenden Faktoren in Planung und Ausführung werden. Beton behauptet sich dabei zunehmend als integraler Bestandteil moderner, effizienter und klimabewusster Baukonzepte.

