Die österreichische Betonfertigteilindustrie erwartet für das zweite Halbjahr 2026 steigende Umsätze. Doch die tatsächliche Geschäftsentwicklung bleibt schwach. Vor allem der Wohnbau bremst die Erholung. Das aktuelle Konjunkturbarometer des Verbands Österreichischer Betonfertigteilwerke (VÖB) zeigt, wo die Branche unter Druck steht und welche Marktpotenziale Unternehmen sehen.
Umsatzerwartungen steigen deutlich
Die Erwartungen für das zweite Halbjahr 2026 fallen deutlich positiver aus als die bisherige Geschäftsentwicklung. Laut VÖB rechnen 73 % der befragten Unternehmen mit steigenden Umsätzen gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Lediglich 3 % erwarten weitere Rückgänge.

Der Erwartungsindikator des Verbands steigt damit auf plus 70. Das ist der höchste Wert seit dem ersten Halbjahr 2022. Auch die allgemeine Geschäftserwartung verbessert sich: 83 % der Betriebe rechnen für das zweite Halbjahr mit einer sehr oder eher zufriedenstellenden Entwicklung.
Die tatsächlichen Umsatzzahlen zeichnen jedoch ein anderes Bild. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichneten 47 % der Unternehmen Rückgänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei 20 % blieb der Umsatz unverändert, während 33 % Zuwächse erzielten. Der neu entwickelte VÖB-Konjunktur-Indikator verbesserte sich zwar auf minus 14, liegt damit aber weiterhin im negativen Bereich.


Auch die Einschätzung der Gesamtbranche bleibt skeptisch. 70 % der befragten Betriebe erwarten für das Gesamtjahr 2026 eine eher weniger zufriedenstellende Entwicklung.
„Wir müssen aber zwischen Erwartungen und tatsächlicher Entwicklung unterscheiden“, betont Michael Wardian, Vorstandsvorsitzender des VÖB. Die Unternehmen hofften auf eine Trendwende, doch die Zahlen zeigten, dass diese noch nicht erreicht sei.

Wohnbau bleibt das größte Sorgenkind
Besonders angespannt ist die Lage im Wohnbau. Nur 11 % der befragten Unternehmen meldeten für das erste Halbjahr 2026 steigende Umsätze. 43 % verzeichneten dagegen Rückgänge. Eine nachhaltige Belebung dieses wichtigen Marktsegments ist damit weiterhin nicht erkennbar.
Hohe Finanzierungskosten und Unsicherheiten über die weitere Zinsentwicklung bremsen die Investitionsbereitschaft privater und institutioneller Bauherren. Gleichzeitig fehlen neue Bauvorhaben. Die niedrige Zahl an Baubewilligungen erschwert es der Fertigteilindustrie, auf eine rasche Erholung zu setzen.
Selbst wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern, wird es dauern, bis mehr Projekte geplant, bewilligt und umgesetzt werden. Hinzu kommt eine zeitliche Verzögerung: Laut VÖB spürt die Betonfertigteilindustrie Veränderungen der Baukonjunktur üblicherweise erst rund drei Monate später. Bauunternehmen lasten zunächst ihre eigenen Kapazitäten aus, bevor sie wieder verstärkt Betonfertigteile nachfragen.
VÖB-Geschäftsführer Anton Glasmaier sieht deshalb vor allem konkrete Aufträge als entscheidenden Faktor. „Die Branche braucht nicht nur Zuversicht, sondern vor allem wieder konkrete Bauaufträge.“
Tiefbau stützt die Branche
Eine stabilere Entwicklung zeigte im ersten Halbjahr 2026 der Tief- und Straßenbau. In diesem Segment meldeten 38 % der befragten Unternehmen Umsatzsteigerungen. Bei weiteren 58 % blieb der Umsatz unverändert. Damit erwies sich der Infrastrukturbau als wichtige Stütze für die Betonfertigteilhersteller.
Allerdings könnte auch dieses Marktsegment unter Druck geraten. Die angespannten Budgets von Gemeinden und Ländern gefährden die öffentliche Investitionstätigkeit. Werden notwendige Infrastrukturprojekte verschoben, kann dies die Nachfrage nach Betonfertigteilen zusätzlich belasten.
Glasmaier warnt vor einer solchen Entwicklung: „Der Tiefbau hat die Branche in den vergangenen Monaten wesentlich gestützt. Angesichts der angespannten öffentlichen Haushalte müssen wir aber auch hier vorsichtig sein.“
Betonfertigteile bieten Marktpotenzial
Trotz der schwierigen Konjunktur sehen die Unternehmen gute Perspektiven für die Betonfertigteilbauweise im Hochbau. Dazu zählen insbesondere Wohn-, Industrie- und Bürogebäude. 57 % der Befragten erwarten in diesem Bereich eine steigende Marktentwicklung. Weitere 40 % rechnen mit einer stabilen Entwicklung, nur 3 % mit einem Rückgang.
Als wichtigstes Argument für den Einsatz von Betonfertigteilen nennen 97 % der Unternehmen kürzere Bauzeiten. Für 83 % sind höhere Vorfertigungsgrade ein wesentlicher Vorteil, beispielsweise bei Fassaden sowie integrierten Heiz- und Kühlsystemen. Auch die Präzision und Qualität der Bauteile sprechen aus Branchensicht für die Bauweise.
Diese Vorteile können jedoch nur dann zum Tragen kommen, wenn tatsächlich gebaut wird. Der VÖB fordert deshalb eine bessere Abstimmung der für das Bauen zuständigen Ministerien sowie wirksame Impulse für neue Investitionen.
Die verbesserten Erwartungen sind ein positives Signal, reichen aber noch nicht für eine Trendwende. Entscheidend wird sein, ob sich der Wohnbau belebt, mehr Projekte bewilligt und finanziert werden und öffentliche Auftraggeber ihre Infrastrukturinvestitionen aufrechterhalten.
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