Die nächste Hitzewelle hat Österreich erreicht – und sie trifft die Bauwirtschaft mit voller Wucht. Temperaturen deutlich über 30 Grad machen körperliche Arbeit zur Belastungsprobe. Gleichzeitig zeigen erste Zahlen 2026: Noch nie erhielten so viele Bauarbeiter Hitzefrei wie heuer. Bereits jede Dritte profitiert davon. Die Gewerkschaft BAU-HOLZ (GBH) ist daher verstärkt auf Baustellen präsent, informiert über Schutzmaßnahmen und überprüft deren Umsetzung in der Praxis.
Rekordzahlen bei Hitzefrei
Die aktuellen Daten der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK) markieren einen Wendepunkt beim Hitzeschutz am Bau. „Das zeigt: Unsere Aufklärungsarbeit wirkt. Immer mehr Beschäftigte kennen ihre Rechte und immer mehr Betriebe nutzen die Hitzefrei-Regelung dort, wo sie notwendig ist“, betont GBH-Bundesvorsitzender Josef Muchitsch.
Dass bereits jetzt mehr Arbeitnehmer Hitzefrei erhalten haben als in früheren Gesamtjahren, unterstreicht die steigende Relevanz des Themas. Die endgültigen Zahlen für Juli will die GBH im August vorlegen. Parallel dazu läuft die direkte Ansprache auf Baustellen weiter – inklusive Verteilung von Trinkwasser und Gesprächen mit den Beschäftigten über reale Arbeitsbedingungen.
Hitzeschutz in der Praxis
Seit 1. Jänner 2026 gilt die neue Hitzeschutzverordnung. Sie verpflichtet Arbeitgeber bereits ab Hitzewarnstufe 2 (30 Grad) zu konkreten Maßnahmen. Dazu zählen unter anderem die Bereitstellung von ausreichend Trinkwasser, Beschattungen sowie organisatorische Anpassungen bei Arbeitszeiten.
„Wenn es heiß wird, sind wir dort, wo unsere Mitglieder arbeiten – direkt auf den Baustellen. Wir informieren über ihre Rechte und Gefahren, hören zu und sehen uns an, wie der Hitzeschutz in der Praxis funktioniert. Unser Ziel ist klar: Alle sollen gesund nach Hause kommen. Wir bleiben dran“, so Muchitsch.
Für die Praxis bedeutet das vor allem eine frühzeitige Planung. Arbeitsbeginn in den kühleren Morgenstunden, gezielte Pausenregelungen und flexible Tagesabläufe gewinnen an Bedeutung. Entscheidend ist, dass diese Maßnahmen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern tatsächlich umgesetzt werden.
Klare Regeln für extreme Temperaturen
Neben der Verordnung greift am Bau weiterhin die Hitzefrei-Regelung nach dem Bauarbeiter-Schlechtwetterentschädigungsgesetz. Wird an der nächstgelegenen Messstation eine Temperatur von 32,5 Grad erreicht, kann der Arbeitgeber Hitzefrei gewähren.
Zusätzliche Planungssicherheit bringt das Prognosemodell der BUAK. Zeigt die Drei-Tages-Vorschau Temperaturen über 34 Grad, können Betriebe bereits im Vorfeld bis zu drei Schlechtwetterstunden ab 13 Uhr einplanen. Diese Regelung gilt auch dann, wenn die prognostizierten Temperaturen später nicht vollständig eintreten. Für Bauunternehmen bedeutet das mehr Flexibilität bei gleichzeitig klarer rechtlicher Absicherung.
Digitalisierung unterstützt die Umsetzung
Mit der Hitze.App stellt die GBH ein digitales Werkzeug bereit, das die Entscheidung für Hitzefrei erleichtert. Die Anwendung zeigt standortbezogen in Echtzeit, ob die kritische Temperatur von 32,5 Grad erreicht wurde. Grundlage sind die Messdaten der GeoSphere Austria.
Gerade für Poliere und Bauleiter bietet das Tool einen unmittelbaren Mehrwert: Entscheidungen können direkt auf Basis aktueller Daten getroffen werden, ohne Interpretationsspielraum. Das reduziert Unsicherheiten auf der Baustelle und unterstützt eine einheitliche Anwendung der Regelungen.
Gesundheit vor Termindruck
Trotz klarer gesetzlicher Rahmenbedingungen sieht die GBH weiterhin Handlungsbedarf. „Die gesetzlichen Möglichkeiten sind vorhanden. Jetzt müssen sie überall konsequent angewendet werden. Kein Fertigstellungstermin darf wichtiger sein als die Gesundheit jener Menschen, die unsere Häuser, Straßen und Infrastruktur errichten“, stellt Muchitsch klar.
Für die Baupraxis bedeutet das einen Kulturwandel: Hitzeschutz muss fixer Bestandteil der Bauplanung werden – von der Ausschreibung bis zur Ausführung. Auftraggeber sind gefordert, Hitzetage realistisch in Terminpläne zu integrieren. Denn klar ist auch: Hitzeschutz verursacht kaum Mehrkosten, verlangt aber vorausschauende Organisation und konsequente Umsetzung.
Die aktuelle Hitzewelle zeigt, wie dringend dieser Ansatz ist. Und sie macht deutlich, dass effektiver Hitzeschutz längst kein Randthema mehr ist, sondern ein zentraler Faktor für sichere und nachhaltige Baustellen.
Die kostenlose Hitze.App der GBH zeigt per Postleitzahl in Echtzeit, ob die maßgebliche Temperatur von 32,5 Grad für Hitzefrei erreicht wurde. Download: gbh-news.at/hitze-app
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