Die IFAT Munich 2026 zeigt eindrucksvoll: Umwelttechnologien entwickeln sich zur globalen Schlüsselindustrie. Mit rund 142.000 Besuchern aus knapp 160 Ländern und etwa 3.400 Ausstellern erreicht die Weltleitmesse neue Rekordwerte – und liefert konkrete Antworten auf zentrale Herausforderungen für Bau-, Recycling- und Infrastruktursektoren.
Rekordzahlen und strategische Bedeutung
Auf rund 300.000 m² präsentierten Unternehmen aus mehr als 60 Ländern Lösungen für Wasserwirtschaft, Recycling und Circular Economy. Damit unterstreicht die Messe ihre Rolle als globaler Marktplatz für Technologien, die zunehmend systemrelevant werden.

Stefan Rummel, CEO der Messe München, bringt es auf den Punkt: „Die Rekordbeteiligung auf der IFAT Munich 2026 zeigt deutlich: Kreislauf- und Wasserwirtschaft hat Systemrelevanz und ist die nächste globale Schlüsselindustrie.“ Gerade vor dem Hintergrund fragiler Lieferketten und geopolitischer Spannungen gewinnen resiliente Systeme massiv an Bedeutung.
Circular Economy: Konkretes Wertschöpfungspotenzial
Wie groß das wirtschaftliche Potenzial ist, zeigt eine Studie der Boston Consulting Group im Auftrag des Bundesverband der Deutschen Industrie. Demnach kann sich die zirkuläre Bruttowertschöpfung in Deutschland von aktuell rund 60 Milliarden Euro auf bis zu 125 Milliarden Euro bis 2045 mehr als verdoppeln.
Zusätzlich ergeben sich für Industrie und Bauwirtschaft konkrete Effekte:
- Recycling und Wiederverwendung könnten bis zu 40 % der Rohstoffimporte ersetzen
- Kumulierte zusätzliche Wertschöpfung von bis zu 880 Milliarden Euro bis 2045
Für Bauunternehmen und Betreiber bedeutet das: Sekundärrohstoffe und geschlossene Stoffkreisläufe werden zunehmend zu wirtschaftlichen Faktoren – nicht nur zu ökologischen.
Praxisfokus: Ressourcen und Wasserinfrastruktur
Inhaltlich dominierte die Frage, wie sich Ressourcensicherheit und Infrastrukturresilienz praktisch umsetzen lassen. Im Fokus standen geschlossene Stoffkreisläufe, effiziente Aufbereitungstechnologien und robuste Wassersysteme.
Thomas Conzendorf, Vorstand bei Remondis, sieht klare Wachstumsperspektiven: „Die IFAT zeigt, dass wir in Deutschland in der Lage sind, eine weltführende Position in der Kreislaufwirtschaft nicht nur zu verteidigen, sondern sogar auszubauen.“

Parallel rücken Wasserinfrastrukturen stärker in den Fokus. Neben klassischen Themen wie Hochwasserschutz und Wassermangel gewinnen auch neue Bedrohungsszenarien an Relevanz – etwa Cyberangriffe oder gezielte Eingriffe in kritische Netze. Rainer Köhler von Huber SE betont: „Die Wasser- und Abwasserwirtschaft sowie die Abfall- und Recyclingbranche spielen eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, Kreislaufwirtschaft und Klimaresilienz nachhaltig zu stärken.“
Plattform für Industrie, Politik und Märkte
Die Messe fungierte erneut als Schnittstelle zwischen Industrie, Politik und kommunalen Akteuren. Mit hochrangigen internationalen Delegationen, darunter EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall und Bundesumweltminister Carsten Schneider, wurde die politische Dimension deutlich.
„Die IFAT ist die zentrale Plattform für dieses wichtige Thema. Hier können sich Unternehmen, Politik, Kommunen und Verbände vernetzen und koordinieren“, so Schneider. Auch Dr. Johannes F. Kirchhoff, Vorsitzender des Fachbeirats, unterstreicht: Die Transformation zur ressourceneffizienten Wirtschaft ist Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität.
Im 60. Jubiläumsjahr bestätigt die IFAT damit ihre Rolle als globale Leitmesse – nicht nur als Technologieplattform, sondern als Taktgeber für eine Branche mit wachsender strategischer Relevanz. Die nächste Ausgabe findet vom 29. Mai bis 1. Juni 2028 erneut in München statt.

