Robotik erreicht die Baustelle: Beim Wohnbauprojekt Kladno Living setzt die Porr AG erstmals einen Mauerroboter im realen Hochbau ein. Die Maschine errichtet tragende Wände und Wohnungstrennwände aus Akustikziegeln – präzise, modellbasiert und unter realen Baustellenbedingungen getestet. Das Pilotprojekt zeigt, wie Automatisierung Effizienz, Qualität und Arbeitsschutz gleichzeitig verbessern kann.
Robotergestütztes Mauern im Praxistest
Auf der Baustelle in Kladno bei Prag entsteht ein Wohnprojekt mit fünf Gebäuden, 371 Wohnungen und zugehörigen Garagenflächen. Seit 2025 läuft dort der Testbetrieb eines Mauerroboters mit der Bezeichnung WLTR, intern „Walter“ genannt. Die Maschine verarbeitet plangeschliffene Ziegel mit einem Gewicht von bis zu 52 kg und setzt diese auf Basis eines digitalen Projektmodells millimetergenau.
Der Roboter ist von Beginn an in den Bauablauf integriert. Diese frühe Einbindung ist entscheidend, da robotergestütztes Mauern eine angepasste Planung erfordert. Statik, Bauablauf, Logistik und Baustellenlayout müssen exakt aufeinander abgestimmt sein, um die Vorteile der Automatisierung tatsächlich nutzen zu können.
Integration in Planung und Bauablauf
„Digitalisierung und Robotik zählen zu den langfristigen strategischen Prioritäten der Porr. Robotergestütztes Mauern ist ein konkretes Beispiel dafür, wie moderne Technologien zu sichererem und effizienterem Bauen beitragen können“, sagt CEO Karl-Heinz Strauss.

Die Umsetzung zeigt, dass Robotik nicht isoliert funktioniert. Vielmehr ist sie Teil eines integrierten Systems aus BIM, digitalem Baumanagement und datenbasierten Prozessen. Innerhalb der Porr werden solche Anwendungen zentral durch das Construction Automation & Robotics (CAR)-Team koordiniert. Jeder Einsatz basiert auf einem konkreten Bedarf der Baustelle und wird projektspezifisch angepasst.
Produktivität und Ausführungsqualität
Die aktuelle Generation von Mauerrobotern kann nicht nur lange, gerade Wandabschnitte ausführen, sondern auch Ecken und Öffnungen herstellen. Im Projekt Kladno Living erreicht der Roboter eine Produktivität von rund 7,5 m² pro Stunde, mit Spitzenwerten bis zu 10 m²/h. Damit liegt die Leistung im Bereich eines erfahrenen Maurers.
Entscheidend ist jedoch die Konstanz der Ausführung. Während menschliche Leistung im Tagesverlauf schwankt, bleibt die Qualität beim robotergestützten Mauern gleichbleibend hoch. Gleichzeitig übernimmt die Maschine die körperlich anspruchsvollsten Tätigkeiten, insbesondere das Heben und Positionieren schwerer Ziegel.
Mensch und Maschine im Zusammenspiel
Trotz Automatisierung bleibt der Mensch zentraler Bestandteil des Prozesses. Der Roboter wird von geschultem Personal überwacht und benötigt eine sorgfältige Baustellenvorbereitung sowie ausreichend Bewegungsraum.
„Bauen ist und bleibt ein People Business. Unser Ziel ist es nicht, Menschen zu ersetzen, sondern unseren Mitarbeitenden Werkzeuge an die Hand zu geben, die ihnen die besonders schweren Arbeiten erleichtern“, betont Strauss.
Der WLTR bringt rund 2.500 kg auf die Waage und verfügt über eine Reichweite von 3,5 m. Betrieben wird er mit einem Stromverbrauch von etwa 1,5 kW, was unter dem Niveau vieler Baustellengeräte liegt. Für den Betrieb sind zwei Personen erforderlich.
Perspektiven für die Baurobotik
Die Erfahrungen aus Kladno Living liefern wichtige Erkenntnisse für künftige Projekte. „Wir sind stolz darauf, dieses innovative Projekt in Tschechien umgesetzt zu haben. Die gewonnenen Erfahrungen werden in künftige Projekte einfließen und gruppenweit geteilt“, erklärt Dušan Čížek, Geschäftsführer von Porr Tschechien & Slowakei.
Robotergestütztes Mauern ist damit mehr als ein Versuchsfeld. Es zeigt konkret, wie sich Bauprozesse durch Automatisierung weiterentwickeln können. Für Fachunternehmen eröffnet sich die Möglichkeit, Produktivität zu stabilisieren, Fachkräfte zu entlasten und gleichzeitig die Ausführungsqualität zu sichern – ein Ansatz, der angesichts steigender Anforderungen im Wohnbau zunehmend an Bedeutung gewinnt.

