Die Liebherr Group beschleunigt die Entwicklung ihrer Raupenbagger deutlich. Am Standort Colmar ging heuer ein neuer Prüfstand in Betrieb, der reale Baustellenbelastungen unter kontrollierten Bedingungen simuliert. Ziel ist es, Schwachstellen früher zu erkennen, Entwicklungszyklen zu verkürzen und gleichzeitig den Weg zu autonomen Maschinen zu ebnen.
Prüfstand verkürzt Entwicklungszyklen
Mit einer Investition von rund 2,5 Millionen Euro hat Liebherr-France SAS am Entwicklungs- und Produktionsstandort Colmar eine zentrale Testanlage geschaffen. Der Prüfstand befindet sich direkt am Engineering-Hub, wodurch Rückkopplungen zwischen Test und Konstruktion deutlich schneller erfolgen.
Konstruktive Schwachstellen lassen sich so früh identifizieren. Die Zeitspanne zwischen Problemfeststellung und Umsetzung von Verbesserungen schrumpft erheblich. Für Hersteller und Anwender bedeutet das robustere Maschinen und kürzere Innovationszyklen.
Beschleunigte Alterung unter realen Lasten
Herzstück der Anlage ist die Simulation realer Einsatzbedingungen. Vibrationen, Torsionen, Stöße und Biegungen werden gezielt nachgebildet. Ein Beschleunigungsfaktor von 17 sorgt dafür, dass eine Teststunde 17 Stunden Baustelleneinsatz entspricht.

Die Prüfszenarien basieren auf umfangreichen Felddaten aus realen Anwendungen bei Kunden. Dadurch entsteht eine hohe Reproduzierbarkeit der Tests. Nach der Laborphase werden die Ergebnisse weiterhin durch klassische Feldversuche abgesichert.
Die bauliche Ausführung unterstreicht den industriellen Anspruch: Eine Fahrbahn und ein Graben innerhalb einer geschlossenen Halle bilden typische Einsatzsituationen nach. Eine sechs Meter hohe Schallschutzwand gewährleistet die Einhaltung der Lärmschutzvorgaben im Industriegebiet.
Testfeld für autonome Raupenbagger
Der Prüfstand ist konsequent auf Automatisierung ausgelegt. Die eingesetzten Maschinen können autonom betrieben werden. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Entwicklung selbstfahrender Baumaschinen.
Die Anlage läuft ohne Personal vor Ort. Steuerung und Monitoring erfolgen aus einem externen Kontrollraum. Kamerasysteme liefern eine permanente visuelle Überwachung. Ergänzt wird das Sicherheitskonzept durch Sensorik, Zugangssysteme und GPS-basierte Positionsüberwachung, die ein unkontrolliertes Verlassen des Testgeländes verhindert.
Damit wird der Prüfstand nicht nur zum Werkzeug für die Strukturentwicklung, sondern auch zu einem zentralen Baustein für die Autonomie-Strategie von Liebherr.
Hoher Eigenfertigungsanteil in Colmar
Das Projekt wurde von der technischen Leitung initiiert und von der Testabteilung umgesetzt. Nach neun Monaten Planung folgten sieben Monate Bauzeit. Ein großer Teil der Stahlbaukomponenten entstand direkt am Standort Colmar.
Die Fertigungstiefe zeigt die Bedeutung des Projekts für den Standort. Gleichzeitig stärkt sie das Know-how der Produktionsteams, die eng in die Entwicklung neuer Prüfmethoden eingebunden sind.
Breites Baggerportfolio als Basis
Seit 1961 entwickelt und produziert Liebherr-France SAS in Colmar Raupenbagger für die Firmengruppe. Das Portfolio umfasst rund 30 Modelle von 14 bis 100 Tonnen Einsatzgewicht, vom kompakten R 914 bis zum Großgerät R 998 SME.
Die Maschinen decken Anwendungen von klassischem Erdbau über Abbruch bis zu Speziallösungen im Tunnel- oder Maritim-Einsatz ab. Leistungsstarke Liebherr-Motoren mit 90 bis 420 kW bilden die Basis für hohe Produktivität unter anspruchsvollen Bedingungen.
Mit dem neuen Prüfstand stärkt Liebherr gezielt die Entwicklungsqualität dieser Maschinen – und schafft gleichzeitig eine Plattform für die nächste Generation autonomer Baumaschinen.

