Mit rund 1.200 Teilnehmenden verzeichnete das 54. Großseminar des Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM) in Willingen eine Rekordbeteiligung. Unter dem Motto „Brücken bauen – Zukunft gestalten“ präsentierte sich die Bauwirtschaft technologisch transformiert und politisch fordernd.
VDBUM-Präsident Dirk Bennje betonte den Rollenwandel der Branche: vom ausführenden Dienstleister hin zum strategischen Partner bei Infrastrukturprojekten. Zentrale Themen waren Digitalisierung, Fachkräftemangel sowie steigende Anforderungen an Effizienz und Nachhaltigkeit.
Ein Schwerpunkt lag auf der digitalen Vernetzung von Baumaschinen. Mit dem SiteRouter stellte der VDBUM eine herstellerunabhängige Datendrehscheibe für Mischflotten vor. Ziel ist es, Maschinendaten standardisiert zu bündeln und für optimierte Bauprozesse nutzbar zu machen. Echtzeitdaten, BIM-Methodik und durchgängige IT-Integration gelten als Schlüssel für mehr Transparenz und Produktivität. Gleichzeitig bleiben standardisierte Schnittstellen und qualifizierte Weiterbildung essenziell.
Auch politisch formulierte die Branche klare Erwartungen: Beschleunigte Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie und verlässliche Finanzierungsmodelle gelten als Voraussetzung für Investitionssicherheit. Trotz struktureller Hemmnisse bewerten führende Bauunternehmen die mittelfristigen Marktchancen positiv.
Mit rund 50 Fachvorträgen, 130 Ausstellern und intensiven Netzwerkformaten bot das Seminar eine breite Plattform. Themen wie alternative Antriebe, Recycling, Logistik und digitale Prozesse prägten das Programm. Nachwuchsförderung – etwa durch Studierendenpatenschaften und Simulator-Wettbewerbe – blieb ein fester Bestandteil.
Rosenberger: Telematik in der Praxis
Ein praxisnahes Highlight lieferte Rosenberger Telematics gemeinsam mit Strabag BMTI. Im Vortrag „Telematik leicht gemacht“ zeigten Christian Meschnig (CEO Rosenberger Telematics) und Christoph Kellner (Projektmanager Telematik, Strabag BMTI), wie sich große Maschinenflotten strukturiert digitalisieren lassen.

Strabag BMTI verantwortet einen international eingesetzten Maschinen- und Gerätepark. Ziel der Kooperation ist es, heterogene Telematikdaten zu harmonisieren und in ein einheitliches Datenmodell zu überführen. Seit 2018 begleitet Rosenberger Telematics Strabag als globaler Partner in mehr als 15 Ländern.
Der Fokus liegt auf Datenqualität, Skalierbarkeit und nahtloser Integration in bestehende IT-Systeme. Standardisierte Maschinendaten bilden die Basis für Investitionsentscheidungen, Wartungsstrategien, Logistiksteuerung und Nachhaltigkeitsberichte. Damit wird Telematik vom optionalen Tool zum strategischen Steuerungsinstrument.
Am Messestand präsentierte Rosenberger die Plattform „Commander“ für große Flotten. Sie ermöglicht Echtzeit-Datenverarbeitung und unterstützt datenbasierte operative Entscheidungen. Das Beispiel zeigt: Effizienter und nachhaltiger Maschinenbetrieb erfordert konsistente Datenstrukturen und klare Digitalisierungsstrategien.

