1976 setzte Bauer mit der BG 7 einen technologischen Wendepunkt im Spezialtiefbau. Was damals aus einer konkreten Baustellenanforderung heraus entstand, entwickelte sich in fünf Jahrzehnten zu einer durchdigitalisierten Produktlinie für Drehbohrgeräte. Heute stehen Energieeffizienz, Assistenzsysteme und vernetzte Maschinensteuerung im Mittelpunkt – mit der neuen BG 50 als aktuellem Leistungsträger der V-Geräteklasse.
Vom BG 7 zur digitalen Maschinenplattform
Die erste Bauer BG 7 wurde 1976 als Reaktion auf die unzureichende Leistungsfähigkeit damaliger Bohrgeräte entwickelt. Unter der Leitung von Dr. Karlheinz Bauer entstand innerhalb weniger Monate ein robustes Spezialgerät für das Pfahlbohren – mit massiver Kellystange, hydraulischem Vorschub und deutlich gesteigerter Bohrleistung. Statt einzelner Pfähle pro Woche waren bereits mehrere pro Tag möglich, bei Bohrtiefen bis 18 Metern und Durchmessern bis 1.500 Millimeter.
Der Markterfolg folgte rasch: Aus dem Eigenbedarf entwickelte sich eine komplette Produktfamilie mit Modellen wie BG 11, BG 22 und später der BG 30, die 1989 auf der bauma mit 367 kNm Drehmoment zu den leistungsstärksten Geräten ihrer Zeit zählte. Heute reicht das Portfolio von kompakten Maschinen wie der BG 15 H bis hin zu Hochleistungsgeräten wie der BG 55.

„Zu Beginn funktionierte in den Drehbohrgeräten alles rein hydraulisch, ein paar Hebel, ein paar Manometer, mehr nicht“, erklärt Johann Kraxenberger, Leiter der Produktlinie Drehbohrgeräte bei Bauer. „Heute arbeiten wir mit digitalen Schnittstellen, elektrischen Joysticks und Live-Daten.“
Energieeffizienz und Assistenzsysteme im Fokus
Parallel zur Leistungssteigerung hat sich die technologische Entwicklung zunehmend in Richtung Effizienz und Ressourcenschonung verschoben. Mit der Energy-Efficient-Power-Technologie (EEP) setzt Bauer seit Jahren auf ein System zur Optimierung des Gesamtwirkungsgrads. Energierückgewinnung und die intelligente Steuerung von Nebenverbrauchern senken dabei den Kraftstoffverbrauch der Drehbohrgeräte um bis zu 20 Prozent.
Ergänzt wird dies durch Assistenzsysteme wie Stability Plus, den adaptiven Kelly-Einfahrassistenten oder den Speed Limiter der Kellywinde, die insbesondere unter schwierigen Bodenverhältnissen für mehr Sicherheit und gleichmäßige Arbeitsprozesse sorgen. Für Kraxenberger ist klar: „Die Technik muss heute nicht nur stärker, sondern vor allem intelligenter und wirtschaftlicher sein.“
BG 50: Mehr Leistung bei gleichem Einsatzgewicht
Mit der neuen BG 50 erweitert Bauer die V-Geräteklasse und ersetzt die bewährte BG 45. Das neue Modell basiert auf dem Träger BT 145 und bietet trotz nahezu identischem Einsatzgewicht deutliche Leistungssteigerungen. Die Single-Pass-Bohrtiefe wurde um 7 Prozent erhöht, die Hauptwindenzugkraft um 11 Prozent, die Gesamtleistung liegt bei rund 470 kW – etwa 8 Prozent mehr als beim Vorgänger.
Besonders praxisrelevant ist die verbesserte Mobilisierung: Der verlängerte Mast ermöglicht das Aufstellen ohne zusätzlichen Hilfskran. Das reduziert Rüstzeiten, senkt Logistikkosten und verbessert die Einsatzflexibilität auf engen innerstädtischen Baustellen. Kraxenberger spricht von einem „echten Kraftpaket, das auch bei anspruchsvollsten Bohrarbeiten überzeugt“.
B-Tronic 5 und Erprobung unter Realbedingungen
Die Steuerung der BG 50 erfolgt über die neue B-Tronic 5, eine vollständig überarbeitete Maschinenplattform mit intuitiver Bedienoberfläche. Alle relevanten Maschinen- und Prozessdaten werden in Echtzeit dargestellt, Bediener können die Anzeige individuell anpassen und werden während des Betriebs aktiv durch Assistenzfunktionen unterstützt.
Bevor die Serienproduktion Anfang 2027 startet, durchläuft die BG 50 am Standort Aresing ein umfangreiches Testprogramm unter realen Baustellenbedingungen. Ziel ist die Validierung von Leistung, Zuverlässigkeit und Betriebssicherheit unter praxisnahen Einsatzszenarien.
Die Entwicklung bleibt dabei eng an die Baustellenpraxis gekoppelt. „Die enge Zusammenarbeit zwischen Baustelle und Maschinenbau ist einzigartig“, so Kraxenberger. „Sie ermöglicht es uns, Innovationen direkt an den realen Anforderungen unserer Kunden auszurichten und schneller in die Anwendung zu bringen.“

