Mit dem DC2 entsteht in Wien derzeit ein Hochhaus, das in mehrfacher Hinsicht neue Maßstäbe setzt. Der 175 Meter hohe Turm kombiniert innovative Architektur mit einem durchgängigen Photovoltaik-Konzept – und zeigt damit, wie sich Energieerzeugung direkt in die Gebäudehülle integrieren lässt.
Photovoltaik über die gesamte Gebäudehöhe
Der von Architekt Dominique Perrault entworfene DC2 umfasst 53 Stockwerke und soll im vierten Quartal 2026 fertiggestellt werden. Auffälligstes Merkmal ist die vollständig aktivierte Fassade: Über die gesamte Gebäudehöhe hinweg werden Photovoltaikpaneele integriert.
Damit nimmt das Projekt eine Sonderstellung ein. Erstmals wird bei einem Hochhaus in Europa die gesamte Fassade konsequent zur Energiegewinnung genutzt. Insgesamt kommen mehr als 4.000 speziell entwickelte PV-Elemente zum Einsatz. Diese wurden so konzipiert, dass sie nicht nur Strom erzeugen, sondern gleichzeitig eine ausreichende Tageslichtversorgung im Gebäudeinneren sicherstellen.
Die Paneele sind vertikal angeordnet und optisch bewusst zurückhaltend gestaltet. So entsteht eine Kombination aus Energieerzeugung, Verschattung und architektonischer Wirkung.
Energieeffizienz und Betrieb im Fokus
Für den Gebäudebetrieb ergeben sich daraus konkrete Vorteile. Ein Teil des erzeugten Stroms wird direkt für Allgemeinbereiche genutzt. Gleichzeitig tragen die Fassadenelemente zur Reduktion des Wärmeeintrags bei, was insbesondere im Hochhausbau ein entscheidender Faktor für den Energiebedarf in der Kühlung ist.
Das Energiekonzept zielt somit nicht nur auf Nachhaltigkeit, sondern auch auf wirtschaftliche Effizienz ab. Niedrigere Betriebskosten und eine stabilere Energieversorgung sind direkte Effekte der integrierten PV-Technologie.
Mixed-Use-Konzept mit technischen Anforderungen
Der DC2 kombiniert Wohnen und Arbeiten in einem Gebäude. Diese Nutzungsmischung stellt hohe Anforderungen an Gebäudetechnik, Energieverteilung und Komfort. Die Photovoltaik-Fassade muss dabei unterschiedliche Lastprofile bedienen und gleichzeitig konstante Rahmenbedingungen für Nutzer schaffen.
Die Integration der PV-Elemente in die Gebäudehülle erfordert zudem präzise Planung und Ausführung. Neben statischen Anforderungen spielen auch Wartungszugänglichkeit, Verkabelung und Langzeitperformance eine zentrale Rolle.
Nachhaltigkeit auch im Umfeld
Das Nachhaltigkeitskonzept endet nicht an der Fassade. Alle Flachdächer werden als Gründächer ausgeführt, die zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen. Auch die Gestaltung der Plaza folgt diesem Ansatz und setzt vollständig auf Begrünung.
Für die Bewässerung kommt ein ressourcenschonendes System zum Einsatz. Retentions- und Substratbecken speichern Regenwasser und ermöglichen in der Regel eine autarke Versorgung der Pflanzen. Ergänzend sorgt ein eigener Nutzwasserbrunnen für die notwendige Nachspeisung in Trockenperioden, wodurch der Einsatz von Trinkwasser reduziert wird.
Signalwirkung für den Hochhausbau
Mit dem DC2 entsteht nicht nur ein markantes Element der Wiener Skyline, sondern auch ein Referenzprojekt für die Integration von Energieerzeugung in Hochhausfassaden. Die Kombination aus Architektur, Photovoltaik und nachhaltigem Gebäudebetrieb zeigt, wie sich zukünftige Bauprojekte technisch und ökologisch weiterentwickeln können.
Für die Baupraxis liefert das Projekt damit konkrete Ansätze – von der Fassadentechnik über die Energieintegration bis hin zur nachhaltigen Gestaltung von Gebäudeumfeld und Infrastruktur.
Bild oben: Office Le Nomade

