Am Wiener Donauufer entsteht derzeit ein Bauprojekt, das in der österreichischen Baugeschichte bislang ohne Vergleich ist. Die Östu-Stettin Hoch- und Tiefbau GmbH, ein Unternehmen der Habau Group, errichtet als Generalunternehmer eine schwimmende Unternehmenszentrale für den Wasserstraßenbetreiber viadonau – Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft mbH. Das Projekt am Handelskai in Wien verbindet die Disziplinen Hochbau, Schiffbau und Infrastrukturtechnik zu einer hybriden Bauform. Nach der für März 2027 vorgesehenen Fertigstellung wird das Bauwerk rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von viadonau, der Wasserpolizei sowie der Schifffahrtsaufsicht als hochmoderner Arbeitsplatz dienen. Die Hochbaukosten für das Vorzeigeprojekt belaufen sich auf 16,6 Millionen Euro.
Pontonbau als technische Basis für das Büroschiff
Das Herzstück und fundamentale Basis des Projekts bildet ein speziell gefertigter Ponton aus massivem Schiffbaustahl. Mit einer beeindruckenden Länge von rund 103 Metern und einer Breite von etwa 21 Metern dient er nicht nur als tragende Unterkonstruktion, sondern fungiert gleichzeitig als technische Ebene (Untergeschoss) des Gebäudes, in der die komplexe Haustechnik untergebracht ist. Der Rumpf wurde von einer spezialisierten serbischen Werft gefertigt und nach Wien überstellt.

Auf dieser schwimmenden Plattform entsteht in rund elf Metern Höhe ein zweigeschossiger Büroaufbau in innovativer Stahl-Holz-Verbundbauweise. Die Architektur, die aus einem europaweiten Wettbewerb im Jahr 2020 hervorging (Sieger: Pittino & Ortner Architekturbüro ZT-Gesellschaft m.b.H.), orientiert sich bewusst an der eleganten Formensprache eines klassischen Schiffes oder einer Yacht.
Aluminium- und Holzfassaden prägen die äußere Erscheinung, während großzügige Verglasungen im Innenraum für maximale Tageslichtnutzung und eine ständige optische Verbindung zum Wasser sorgen. Die anspruchsvollen Fassaden- und konstruktiven Holzbauarbeiten werden von der Baumgartner Raimund GmbH umgesetzt, einem Tochterunternehmen der Östu-Stettin. Ergänzt wird das schwimmende Bauwerk durch fünf Zugangsbrücken sowie einen eigenen Bootsanlegesteg, der speziell für die rasche Abwicklung von Einsätzen der Wasserpolizei konzipiert wurde.
Bau unter Flussbedingungen mit höchster Präzision
Errichtet wird das schwimmende Büro derzeit an einem temporären Liegeplatz an der Lagerhauslände in Wien, einem Bereich mit intensiver Großschifffahrtsnutzung. Die Bauarbeiten erfolgen direkt am fließenden Gewässer und unterliegen daher erhöhten sicherheitstechnischen und strengen behördlichen Auflagen, insbesondere gemäß dem Wasserrechtsgesetz (WRG 1959).

Ein wesentlicher Teil der Konstruktion wird vorgefertigt und in präziser Montagebauweise zusammengefügt. Diese Strategie ist unerlässlich, um die Arbeiten unter den komplexen hydrologischen Rahmenbedingungen effizient, sicher und kontrolliert auszuführen. Nach der finalen Fertigstellung wird das Gebäude stromaufwärts zur Wiener Reichsbrücke (Bereich Praterlände) verlegt und dort dauerhaft an Land verheftet.
„Die ‚Schwimmende Unternehmenszentrale‘ der viadonau ist ein außergewöhnliches Projekt und zeigt sehr gut die breite Kompetenz der Östu-Stettin. Hier werden Stahl, Holz und Beton unter anspruchsvollen Bedingungen auf dem Wasser kombiniert.“ – Robert Hitschmann, technischer Geschäftsführer der Östu-Stettin
Nachhaltigkeit und Plus-Energie-Konzept auf der Donau
Neben der bautechnischen Besonderheit setzt das Projekt auch in puncto Nachhaltigkeit absolute Maßstäbe. Das Gebäude wird nach Passivhausstandard errichtet und verfügt über ein Plus-Energiehaus-Konzept. Das bedeutet, dass die schwimmende Zentrale über das Jahr gerechnet mehr Energie produziert, als sie für den laufenden Betrieb benötigt.
Die Säulen des Energiekonzepts
| Technologie | Funktion im Gebäude | Ökologischer Nutzen |
| Donauwasser-Wärmepumpe | Beheizung und Kühlung des Gebäudes | Nutzung lokaler, regenerativer Ressourcen ohne Emissionen |
| Photovoltaikanlage | Stromerzeugung auf den Dachflächen | Deckung des Eigenbedarfs und Erreichung der Plus-Energie-Bilanz |
| Innovatives Abfallmanagement | Energiegewinnung aus organischen Abfällen | Reduktion der Entsorgungslogistik, Vorbild für Passagierschifffahrt |
| Holzbauweise | Konstruktion und Innengestaltung | CO2-Speicherung, Schaffung eines behaglichen Raumklimas |
Damit entsteht ein energieeffizienter Bürostandort, der Infrastruktur, Energieversorgung und Wasserbau in einem integrativen System vereint. Das Projekt fungiert als schwimmendes Reallabor, dessen Lösungen gezielt auf die Anforderungen der Schifffahrt ausgelegt sind und künftig als Vorbild für die emissionsarme Passagierschifffahrt dienen sollen.

„Die ‚Schwimmende Unternehmenszentrale‘ der via donau ist ein außergewöhnliches Projekt und zeigt sehr gut die breite Kompetenz der Östu-Stettin“, so Robert Hitschmann, technischer Geschäftsführer der Östu-Stettin. „Hier werden Stahl, Holz und Beton unter anspruchsvollen Bedingungen auf dem Wasser kombiniert.“
New Work: Flexibilität im Innenausbau
Der Siegerentwurf von Pittino & Ortner überzeugte die Jury nicht nur durch sein äußeres Erscheinungsbild, sondern vor allem durch die große Flexibilität in der Raumnutzung. Auf den rund 2.550 Quadratmetern Nutzfläche (verteilt auf zwei Geschoßebenen) steht die Idee von „Homebases“ im Zentrum. Um diese Zonen herum können Arbeitsplätze variabel geteilt und gestaltet werden.
Dieses Konzept trägt den veränderten Anforderungen der Arbeitswelt (Homeoffice, Desk-Sharing) Rechnung und ermöglicht auch in Zukunft wandelbare Nutzungsszenarien. Das reduzierte, zeitlose Design mit viel Holz und Glas schafft eine Arbeitsumgebung, die Konzentration und Kommunikation gleichermaßen fördert.

