Sechs Kameras, drei Radarsensoren und künstliche Intelligenz: Mit dem E-Stop-System für die Raupenbagger der Serie 9 will Develon schwere Unfälle auf Baustellen verhindern. Erkennt das System eine Person im Gefahrenbereich, reduziert es zunächst die Bewegungsgeschwindigkeit und stoppt bei weiterer Annäherung automatisch Schwenk- und Rückwärtsbewegungen. Die Technik soll den Maschinenführer entlasten, ohne den Arbeitsablauf unnötig zu unterbrechen.
Kollisionen zwischen Baumaschinen und Personen zählen zu den größten Sicherheitsrisiken auf Baustellen. Besonders bei beengten Platzverhältnissen, wechselnden Verkehrswegen und eingeschränkter Sicht können gefährliche Situationen entstehen.

„Zusammenstöße mit Fußgängern zählen zu den gefährlichsten Unfällen“, erklärt Stephane Dieu, Produktmanager für Develon-Bagger in Europa. Angesichts der Größe und des Gewichts der Maschinen könnten die Folgen tödlich sein.
Sechs Kameras und drei Radarsensoren
Herkömmliche Rückfahrkameras und Spiegel verbessern zwar die Sicht, können aber nicht sämtliche toten Winkel abdecken. Hinzu kommen Einschränkungen durch Staub, Regen oder schlechte Lichtverhältnisse.
Develon kombiniert deshalb bei seinem E-Stop-System mehrere Sensortechnologien. Sechs hochauflösende Kameras erzeugen ein 360-Grad-Rundumbild. Eine KI-gestützte Software unterscheidet dabei Personen von anderen Objekten.
Zusätzlich überwachen drei Radarsensoren einen Bereich von 330 Grad rund um die Maschine. Sie liefern die Entfernungsinformationen, die für das automatische Eingreifen erforderlich sind.
Das Smart All-Around View Monitoring-System mit Personenerkennung gehört bei den Baggern der Serie 9 bereits zur Standardausstattung. Die automatische E-Stop-Funktion ist dagegen optional erhältlich und benötigt zusätzliche Radarsensoren sowie entsprechende Software.
Automatischer Stopp bei vier Metern
Entscheidend ist die selektive Reaktion des Systems. Während Bäume, Steine oder andere Maschinen erkannt und angezeigt werden können, konzentriert sich die automatische Not-Aus-Funktion auf Personen.
„Die Software analysiert das Bild, erkennt einen Fußgänger und kombiniert diese Information mit der per Radar gemessenen Entfernung“, erklärt Dieu.

Nähert sich eine Person auf sechs Meter, verlangsamt das System zunächst die Maschinenbewegung. Bei vier Metern werden Schwenk- und Rückwärtsbewegungen automatisch gestoppt.
Bereits im äußeren Überwachungsbereich warnen visuelle und akustische Signale vor der Gefahr. Ein externes Warnsignal macht auch Personen außerhalb der Kabine auf die Situation aufmerksam.

Entfernt sich die Person wieder aus dem Gefahrenbereich, können die Arbeiten fortgesetzt werden. Die automatische Eingriffsfunktion ist gezielt auf Schwenk- und Rückwärtsbewegungen ausgelegt und ersetzt keine betrieblichen Sicherheitsmaßnahmen.
Praxistests zeigen hohe Akzeptanz
Wie gut ein solches Assistenzsystem funktioniert, hängt nicht nur von der Erkennungsgenauigkeit ab. Auch unnötige Maschinenstopps müssen vermieden werden, damit die Produktivität erhalten bleibt.
Develon hat E-Stop deshalb gemeinsam mit Bauunternehmen und Maschinenführern in Frankreich getestet. Besonders positiv bewertet wurde, dass das System im normalen Arbeitsbetrieb kaum auffällt.
„Nach einer Woche sagte uns der Bediener: ‚Ich denke gar nicht mehr darüber nach, weil es meine Arbeitsweise nicht stört. Ich kann wie gewohnt arbeiten, aber ich weiß, dass die Maschine mich beobachtet und mir bei Bedarf hilft‘“, berichtet Dieu.
Für Bauunternehmen ist die Unfallvermeidung auch wirtschaftlich relevant. Schwere Zwischenfälle können Baustellenstillstände, Maschinenschäden, Ermittlungen und höhere Versicherungskosten verursachen.
Antikollisionssysteme als künftiger Standard
Develon erwartet, dass aktive Sicherheitssysteme künftig eine ähnliche Entwicklung nehmen wie die 3D-Maschinensteuerung. Während fortschrittliche Kamerasysteme zunehmend zur Grundausstattung gehören, dürften automatische Eingriffsfunktionen schrittweise folgen.
„Ich bin der Ansicht, dass Antikollisionssysteme innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre zur Standardausstattung auf Baustellen gehören werden“, sagt Dieu.
Als erste Anwender sieht er vor allem große Bauunternehmen und Mietparks. Mit steigenden Stückzahlen könnten die Kosten sinken und die Systeme auch in kleineren Maschinenklassen Verbreitung finden.
Die Technik soll dabei das Sicherheitsbewusstsein des Maschinenführers ergänzen, nicht ersetzen. Ihr wesentlicher Nutzen liegt darin, bei übersehenen Personen oder verzögerten Reaktionen rechtzeitig einzugreifen und schwere Kollisionen zu verhindern.
