Liebherr investiert am Standort Kirchdorf in einen leistungsstarken Batteriespeicher: Mit 9 MWh Speicherkapazität und 4,5 MW Leistung kann das Unternehmen künftig bis zu 95 Prozent des selbst erzeugten Solarstroms direkt nutzen. Das neue System ergänzt eine bestehende Photovoltaikanlage mit 5,2 MW Leistung und übernimmt eine zentrale Rolle in der Energieversorgung der Baggerproduktion.
Die Liebherr-Hydraulikbagger GmbH hat den neuen Batteriespeicher am Standort Kirchdorf erfolgreich in Betrieb genommen. Ziel ist es, den Eigenverbrauch von Solarstrom zu erhöhen, Lastspitzen zu reduzieren und die Energiekosten langfristig zu optimieren.

Die Kombination aus Photovoltaikanlage, Batteriespeicher und intelligenter Steuerung ermöglicht es, überschüssigen Solarstrom zwischenzuspeichern und zu einem späteren Zeitpunkt im Werk einzusetzen. Dadurch sinkt der Bedarf an extern bezogenem Strom.
9 MWh Speicher für die Baggerproduktion
Das installierte Batteriespeichersystem verfügt über eine Leistung von 4,5 MW und eine Speicherkapazität von 9 MWh. Rechnerisch könnte der Speicher bei voller Leistung rund zwei Stunden lang Energie abgeben. Die tatsächliche Entladedauer hängt vom jeweiligen Betriebszustand ab.
Bereits bei der Planung berücksichtigte Liebherr eine mögliche Erweiterung. Die technische Infrastruktur ist auf eine Leistung von bis zu 5,6 MW und eine Speicherkapazität von 14 MWh ausgelegt.
Damit lässt sich das System bei künftig steigendem Energiebedarf ausbauen, ohne die grundlegende Energieinfrastruktur neu konzipieren zu müssen.
Bis zu 95 Prozent Eigenverbrauch möglich
Zusammen mit der bestehenden Photovoltaikanlage mit 5,2 MW Leistung soll der Batteriespeicher künftig eine Eigenverbrauchsquote von bis zu 95 Prozent ermöglichen. Ein möglichst großer Teil des selbst erzeugten Solarstroms wird damit direkt am Standort genutzt, statt ins öffentliche Netz eingespeist zu werden.
Gleichzeitig steigt der Autarkiegrad, also der Anteil des gesamten Strombedarfs, den das Werk aus eigener Erzeugung decken kann.
„Mit dem Projekt erreichen wir am Standort künftig einen jährlichen Autarkiegrad von rund 35% – in den Sommermonaten sogar bis zu 60%. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit, zur Stabilisierung des Stromnetzes und zu einer ressourceneffizienten Energieversorgung“, erklärt Matthias Zettler, Geschäftsführer Finance & Admin.
Der Batteriespeicher übernimmt darüber hinaus eine wichtige Funktion beim sogenannten Peak Shaving. Dabei wird gespeicherte Energie gezielt eingesetzt, um kurzfristige Leistungsspitzen im Strombezug abzufangen. Das reduziert die maximale Netzbezugsleistung und kann die entsprechenden Leistungskosten senken.
Intelligente Steuerung nutzt Strompreisprognosen
Eine wesentliche technische Komponente ist das prognosebasierte Energiemanagement. Das System verknüpft Wettervorhersagen, Strombörsenpreise sowie Produktions- und Verbrauchsdaten miteinander.
Auf dieser Grundlage werden Lade- und Entladevorgänge vorausschauend gesteuert. Erwartet die Steuerung beispielsweise hohe Solarstromerträge, kann sie entsprechende Speicherkapazitäten vorhalten. Bei hohem Energiebedarf oder ungünstigen Strompreisen lässt sich die gespeicherte Energie gezielt einsetzen.
Neben der höheren Nutzung des eigenen Solarstroms ermöglicht das System damit auch eine wirtschaftlich optimierte Strombeschaffung. Zusätzlich eröffnet die flexible Speicherbewirtschaftung Perspektiven für zukünftige Vermarktungsmodelle am Energiemarkt.
Liebherr bereitet Smart-Grid-Anwendungen vor
Mit der neuen Speicherarchitektur schafft Liebherr auch die technischen Voraussetzungen für eine stärkere Vernetzung der Energieverbraucher am Standort Kirchdorf.
Künftig könnten beispielsweise Ladeeinrichtungen für elektrische Fahrzeuge oder größere Wärmepumpenanlagen in das Energiemanagement eingebunden werden. Solche Verbraucher lassen sich bei entsprechender technischer Ausstattung gezielt steuern und an die verfügbare Energie anpassen.
Damit gewinnt der Batteriespeicher über die reine Zwischenspeicherung von Solarstrom hinaus an Bedeutung. Er kann dazu beitragen, industrielle Produktionsprozesse, Eigenstromerzeugung und Netzbezug besser aufeinander abzustimmen.
Für den Baumaschinenhersteller ist die Investition somit nicht nur ein Schritt zu höherer Energieeffizienz, sondern auch eine Grundlage für die zukünftige Energieversorgung des Produktionsstandorts.
