Autonome Erdbewegung verlässt die Testphase: In der Schweiz setzt die KIBAG erstmals einen KI-gesteuerten Kettenbagger im realen Baustellenbetrieb ein. Der Develon Real X zeigt, wie nah die Branche der autonomen Baustelle bereits gekommen ist – mit konkreten Effizienz- und Produktivitätsvorteilen.
Praxiseinsatz statt Prototyp
Zum Einsatz kommt ein DX225LC-Kettenbagger mit integriertem Real-X-System, entwickelt von Develon gemeinsam mit Gravis Robotics. Die Maschine arbeitet ohne Fahrer und ohne Fernsteuerung – gesteuert durch KI-basierte Software.

Fotos: Develon, Gravis Robotics
Christoph Duijts, CEO der KIBAG, ordnet den Schritt klar ein: „Dies ist keine gewöhnliche Maschinenübergabe, sondern ein Schritt in die Zukunft des Bauens.“ Vorausgegangen sind rund zwei Jahre Entwicklungs- und Integrationsarbeit, begleitet durch den Händler AG für Baumaschinen Schmerikon.
Konkrete Anwendung im Erdbau
Der autonome Bagger wird in einem ehemaligen Steinbruch in Tuggen eingesetzt. Dort führt er eigenständig Grabenaushub und Materialbewegungen aus. Der Auftrag im konkreten Projekt: ein rund 300 Meter langer, sechs Meter breiter und drei Meter tiefer Graben zur Stabilisierung eines Hangbereichs.
Bauleiter Gabriel Hasler bestätigt die Praxistauglichkeit: „Die Maschine erledigt ihren Auftrag außerordentlich gut.“ Ziel ist es, ungeeignetes Material durch tragfähige Schichten zu ersetzen und so langfristige Stabilität zu gewährleisten.

Technisch basiert das System auf lernfähigen Steuerungsalgorithmen, die auf unterschiedliche Bodenverhältnisse reagieren können. Dominic Jud, CTO von Gravis Robotics, erklärt: „Jedes Projekt bringt neue Herausforderungen – sei es die Tiefe des Grabens oder die Bodenbeschaffenheit.“
Technologie und Produktivität im Fokus
Real X ist Teil einer langfristigen Entwicklungsstrategie. Bereits mit Concept-X und Concept-X2 hat Develon autonome Baustellenprozesse skizziert. Mit Real X folgt nun der Schritt in die Praxis.

Für Bauunternehmen entscheidend sind die messbaren Effekte wie: bis zu 30 % höhere Leistung bei Aushub und Beladung, ein durchgängiger Betrieb ohne Fahrerbindung sowie die schnelle Integration in bestehende Abläufe.
Hinzu kommt ein modularer Aufbau, der eine vergleichsweise einfache Bedienung ermöglicht. Gerade vor dem Hintergrund zunehmenden Fachkräftemangels gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung.
Perspektive: Autonome Baustelle rückt näher
Noch ist der Einsatz autonomer Baumaschinen rechtlich eingeschränkt und aktuell vor allem auf kontrollierte Umgebungen beschränkt. Dennoch zeigt das Projekt klar die Richtung.

Gilles Bendaoud, Vice President Sales & Marketing Europe bei Develon, betont: „Wir werden Sicherheit und Effizienz auf Baustellen mit unseren Innovationen immer weiter steigern.“ Auch Martin Gering ergänzt, dass man der Vision der autonomen Baustelle „einen bedeutenden Schritt nähergekommen“ sei.
Für die Praxis bedeutet das: Autonome Systeme entwickeln sich vom Innovationsprojekt zum produktiven Werkzeug – zunächst in klar abgegrenzten Einsatzbereichen, perspektivisch jedoch im breiten Baustellenbetrieb.
