baublatt

„Langer Ernst“ erfolgreich gesprengt

Sprengung Langer Ernst 02

Auf dem ehemaligen Werksgelände eines Feuerfest-Produzenten in Trieben wurden eine 75 m hohe Kausteranlage sowie der 144 m hohe Zentralkamin „Langer Ernst“ erfolgreich gesprengt. Die Maßnahmen waren Teil eines groß angelegten Rückbauprojekts, mit dem Flächen für neue gewerbliche Nutzungen geschaffen werden.

Der Rückbau umfasste rund 480.000 m³ umbauten Raum, etwa 200.000 t Betonabbruch und rund 15.000 t Stahl. Da es sich um eine ältere Industrieanlage handelte, mussten zunächst Schad- und Störstoffe unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen entfernt werden. Gleichzeitig lag ein Schwerpunkt auf der Reduzierung von Staub und Lärm, da sich das Gelände in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung befindet.

Rückbau und Vorbereitung

Vor den Sprengungen wurden sämtliche Gebäude entkernt und statisch untersucht. Schutzwälle, Fallbetten und Staubbindesysteme wurden eingerichtet, um Auswirkungen auf die Umgebung zu minimieren. Zusätzlich waren umfangreiche Genehmigungs- und Sicherheitsmaßnahmen erforderlich, darunter temporäre Sperren von Verkehrswegen sowie die Einrichtung großräumiger Sicherheitszonen.

Die Sprengarbeiten erfolgten in enger Abstimmung zwischen Abbruchunternehmen, Statikern und Sprengtechnikern. Neben der eigentlichen Sprengung umfasste der Leistungsumfang auch die Vorbereitung der Bauwerke, die Räumung der Trümmer sowie die fachgerechte Entsorgung und Aufbereitung der Materialien.

Sprengung der Kausteranlage

Die Sprengung der 75 m hohen Kausteranlage stellte besondere Anforderungen an die Vorbereitung der Stahlkonstruktion. Tragende Elemente wurden gezielt geschwächt, während andere Bereiche verstärkt wurden, um ein kontrolliertes Kippen sicherzustellen. Für das Durchtrennen massiver Stahlträger kamen speziell angepasste Schneidladungen zum Einsatz, deren Wirkung zuvor in Tests ermittelt wurde.

Zerlegung Kausteranlage Komatsu+Liebherr
Links: Die Zerlegung der gesprengten Kausteranlage mit dem Liebherr R 960 Demolition Litronic, rechts der Komatsu PC490 HRD beim Rückbau der Sinterbunker. Fotos: Pixelbird; Zöchling; Baublatt.Österreich

Ein vorbereitetes Fallbett und Schutzwälle begrenzten Erschütterungen und Trümmerflug. Zusätzlich wurde die Anlage vor der Sprengung intensiv befeuchtet, um die Staubentwicklung zu reduzieren. Die Anlage kippte planmäßig, und die gemessenen Erschütterungen blieben gering.

Sprengung des Kamins „Langer Ernst“

Deutlich komplexer war die Sprengung des 1975 errichteten Stahlbetonkamins. Ursprünglich war vorgesehen, einen Teil des Umfangs als natürliches Fallgelenk stehen zu lassen. Statische Berechnungen zeigten jedoch, dass diese Lösung nicht ausreichend sicher gewesen wäre.

Sprengung Langer Ernst 01

Stattdessen wurde ein spezielles Fallgelenk aus Stahlbeton hergestellt, das ähnlich wie ein Fällkeil beim Baumfällen wirkte. Zusätzlich wurden im unteren Bereich des Kamins gezielt Materialausschnitte vorgenommen, um die Sprengwirkung zu lenken und das Fallverhalten exakt zu steuern.

Für die kontrollierte Sprengung wurden rund 150 Bohrlöcher hergestellt und insgesamt 27 kg Sprengstoff eingebracht. Der Kamin stürzte anschließend exakt in den vorgesehenen Fallbereich, der nur begrenzten Raum zwischen Verkehrswegen bot. Ein durchnässtes Fallbett reduzierte die Erschütterungen, während Staubbindekanonen und Wasserwände die Emissionen minimierten.

Sprengung Langer Ernst 03

Beteiligte Unternehmen und Behörden

Mit der Durchführung der Rückbauarbeiten war die Hans Zöchling Gesellschaft m.b.H. beauftragt. Die Sprengarbeiten erfolgten in Zusammenarbeit mit der Sprengfirma Schadn sowie dem Ziviltechnikerbüro Novotny Bauer & Partner, das die statischen Berechnungen verantwortete.

Während der gesamten Bauzeit arbeiteten die ausführenden Firmen eng mit den zuständigen Behörden zusammen, insbesondere mit der Stadtgemeinde Trieben. Bei den Sprengungen unterstützten außerdem die Feuerwehr Trieben Werk sowie die Exekutive die Sicherungsmaßnahmen und Absperrungen. Diese koordinierte Zusammenarbeit aller Beteiligten war ein wesentlicher Faktor für die sichere und termingerechte Durchführung der beiden Sprengungen.

Technik, Geräte und Zeitplan

Die Arbeiten erstreckten sich über mehrere Phasen: Die Entkernung begann 2024, der oberirdische Rückbau dauerte bis Ende 2025, und der Rückbau der Fundamente läuft noch bis 2026. Zeitweise waren mehrere Hydraulikbagger, Longfront-Abbruchbagger, Umschlaggeräte, Transportfahrzeuge und eine mobile Aufbereitungsanlage im Einsatz.

Das Projekt zeigt, dass großdimensionierte Industrieanlagen heute mit präziser Planung, moderner Abbruchtechnik und abgestimmter Sprengtechnik sicher und kontrolliert zurückgebaut werden können. Entscheidend für den Erfolg waren neben der technischen Vorbereitung vor allem die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten sowie die konsequente Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen.

Ein Video dazu (von GSG Schadn) finden Sie in unserer VIDEO-Galerie

www.zoechling.at
www.schadn.at

Neuesten Artikel

Newsletter anmelden

Die aktuellsten Artikel in Ihrer Inbox und auf dem Handy!