Der Ersatzneubau zweier Brücken auf der Schweizer Nationalstraße N16 zwischen Tavannes und Biel zählt zu den anspruchsvolleren Infrastrukturprojekten im Berner Jura. In einem engen Taleinschnitt, eingezwängt zwischen Autobahn, Bahnlinie und Fluss, entstehen unter laufendem Verkehr neue Tragwerke. Sieben Turmdrehkrane von Liebherr sichern seit Juli 2024 die präzise Materiallogistik – bei begrenzten Anlieferfenstern und komplexen Bauphasen bis zur geplanten Fertigstellung im Dezember 2026.
Enges Baufeld mit logistischer Taktung
Die Nationalstraße N16, auch als Transjurane bekannt, ist eine zentrale Verkehrsachse zwischen dem Kanton Jura und dem Schweizer Mittelland. Im Abschnitt zwischen Tavannes und Biel ersetzt die Walo Bertschinger AG im Auftrag des Bundesamts für Straßen (ASTRA) eine bestehende Brücke und errichtet parallel ein neues Bauwerk. Das Baufeld liegt in einem schmalen Talraum, in dem Autobahn, Bahntrasse und ein Fluss dicht nebeneinander verlaufen. Zusätzlich grenzen bestehende Brücken direkt an die Baustelle.

Diese räumlichen Restriktionen wirken sich unmittelbar auf die Bauorganisation aus. Die Zahl der täglichen LKW-Anlieferungen ist limitiert, weshalb jeder Hub präzise vorbereitet werden muss. Die Krane übernehmen damit eine Schlüsselrolle im Bauablauf und fungieren als zentrales Bindeglied zwischen Materialanlieferung, Zwischenlagerung und Einbau.
Sieben Krane im phasenweisen Einsatz
Die Kranflotte wurde exakt auf die Bauphasen abgestimmt. Für die erste Brücke D19 kamen zwischen 2024 und 2025 ein 270 EC-B 12, ein 90 EC-B 6 sowie ein Schnelleinsatzkran vom Typ 65 K zum Einsatz. Ergänzend wurde für das Becken D333 ein L1-32 installiert. In der zweiten Bauphase für die Brücke D19A werden von 2025 bis 2026 erneut ein 270 EC-B 12 und ein 90 EC-B 6 eingesetzt, ergänzt durch einen Schnelleinsatzkran 81 K.
Da beide Brücken in Ortbetonbauweise entstehen, konzentrieren sich die Kranarbeiten auf die präzise Positionierung tragender Elemente. Dazu zählen das Einheben der Stahlträger für das Lehrgerüst, die Montage maßgefertigter Holzschalungen sowie das exakte Platzieren der Bewehrung. Auch Hilfs- und Montagekonstruktionen werden über die Krane eingebracht und umgesetzt.
Eine technische Besonderheit stellt die Montage des Lehrgerüsts dar. Die temporäre Stahlkonstruktion musste eine Spannweite von 22 Metern ohne Zwischenunterstützung überbrücken. Diese Anforderung stellte hohe Ansprüche an die Hubgenauigkeit und die Koordination der Kranbewegungen.
Arbeiten unter laufendem Betrieb
Parallel zum Brückenbau bleibt sowohl der Straßen- als auch der Bahnverkehr in Betrieb. Die unmittelbare Nähe zur SBB-Bahnlinie erforderte eine Anpassung der Kranreichweiten und Arbeitsweisen an strenge sicherheitstechnische Vorgaben. Insbesondere im Gleisbereich kamen zusätzlich Teleskopkrane zum Einsatz, deren Betrieb eng mit den Fahrplänen abgestimmt wurde.

Teile der Bauarbeiten erfolgen unter einem detaillierten Sicherheitsdispositiv mit Sperrfenstern in der Nacht und an Wochenenden. Neben klassischen Ingenieurbauleistungen umfasst das Projekt auch Sichtbetonarbeiten mit individuell gefertigten Schalungssystemen sowie Klein- und Großbohrungen im sensiblen Umfeld von Bahntrasse und Fahrbahn.
„Auf einer Baustelle, die durch eine Bahnlinie und eine Autobahn begrenzt ist, kommt es auf jede Bewegung an. Mit den Liebherr-Turmdrehkranen können wir die Bauteile auch unter diesen beengten Bedingungen präzise und sicher positionieren und unseren Bauablauf wie geplant einhalten“, erklärt Antonio D’Onofrio, Projektleiter ppa. Ingenieurbau West bei der Walo Bertschinger AG.
Mit der Kombination aus detaillierter Bauablaufplanung und leistungsfähiger Kranlogistik wird das Projekt trotz der extremen Rahmenbedingungen im vorgesehenen Zeitfenster realisiert.
