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Neue Dynamik für Kreislaufwirtschaft im Bau

Vortrag Baustoff-Recycling Verband-Tag

Die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen gewinnt in Österreich weiter an Struktur und politischer wie technischer Relevanz. Beim diesjährigen BRV-Tag des Österreichischer Baustoff-Recycling Verband wurde deutlich, dass insbesondere Bodenaushub, Baustoff-Recycling und neue regulatorische Rahmenbedingungen zentrale Hebel für höhere Verwertungsquoten darstellen. Diskutiert wurden dabei konkrete Anwendungen, die bereits kurzfristig zu einer Verdopplung von Recyclingraten führen könnten.

Ein zentrales Thema war die Tatsache, dass Bodenaushub bislang in großem Umfang deponiert wird. Nach Branchenangaben betrifft dies bis zu 80 Prozent der anfallenden Mengen. Gleichzeitig machen Aushubmaterialien rund 57 Prozent der etwa 64 Millionen Tonnen Abfall in Österreich aus. Genau hier setzt die geplante Aushubverordnung an, die aus Sicht des BRV einen entscheidenden Systemwechsel einleitet.

Aushub als Rohstoff statt Abfall

BRV-Geschäftsführer Tristan Tallafuss betonte beim Branchentreffen die wirtschaftliche und ökologische Bedeutung des Materials. Aushub könne wesentlich schneller in die Kreislaufwirtschaft integriert werden, wenn regulatorische Hürden abgebaut und technische Standards konsequent angewendet werden.

Ein zentraler Baustein ist die Aufbereitung zu Gesteinskörnungen, die im Verband bereits heute einen wichtigen Arbeitsbereich darstellt. Besonders relevant ist dabei das Konzept des vorzeitigen Abfallendes für definierte Qualitätsklassen wie A1, A2 und A2-G. Die künftige Verordnung sieht zudem eine verpflichtende Sieblinie für Gesteinskörnungen sowie klarere Definitionen des Anwendungsbereichs vor.

Auch begrifflich soll sich der Rahmen ändern. Der neue Terminus „Erdbaumaßnahmen“ ersetzt in der geplanten Regelung den bisherigen Begriff „Verfüllungen“. Damit wird laut Branchenvertretern ein technischer Fokus gestärkt, der Planungs- und Ausführungsprozesse klarer abbildet.

Digitalisierung und neue Materialströme

Ein weiterer Schwerpunkt war die Digitalisierung der Stoffströme. Katherina Heil stellte eine neue Plattform für Bodenaushub und Baustoff-Recycling vor, die Angebot und Nachfrage systematisch vernetzt. Besonders im Kontext der geplanten Regelung, nach der ab 10.000 Tonnen Aushub ein Verwertungskonzept verpflichtend wird, soll die Plattform logistische und ökologische Vorteile bringen.

Gruppenfoto
v.l.: Tallafuss, Oberbichler, Formanek, Kraus, Starke, Heil, Kasper, Merta, Jirgal. Fotos: BRV

Im Mittelpunkt stehen dabei reduzierte Transportwege, effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen sowie eine bessere Auslastung bestehender Recyclingkapazitäten. Damit wird der digitale Marktplatz zu einem operativen Instrument der Kreislaufwirtschaft.

Vegetationstragschichten und Klimaanpassung

Auch der Bereich Infrastruktur und Begrünung wurde fachlich vertieft behandelt. Christian Oberbichler präsentierte neue Ansätze für Vegetationstragschichten im Kontext zunehmender klimatischer Extreme. Besonders häufige Starkregenereignisse mit bis zu 400 Millimetern Niederschlag innerhalb weniger Tage stellen konventionelle Bauweisen zunehmend vor Probleme.

Mit der neu erschienenen ÖNORM B 1131 wurden erstmals standardisierte Lösungen für Vegetationstragschichten definiert. Oberbichler hob hervor, dass Österreich damit im europäischen Vergleich eine Vorreiterrolle einnimmt. Recyclingmaterialien wie Ziegelgranulat können dabei gezielt eingesetzt werden, da die Norm zwischen Herstellung der Schicht und Begrünung differenziert und damit technische Flexibilität schafft.

Regulierung als Treiber für Recycling

Auch regulatorische Eingriffe im Bereich Deponiewirtschaft wirken zunehmend als Treiber für Recyclingprozesse. Roland Starke verwies auf bereits umgesetzte Deponieverbote für Beton, Asphalt und Gleisschotter im Jahr 2024 sowie für Gipsplatten ab 2026.

Parallel dazu wird eine weitere Novelle der Deponieverordnung vorbereitet, die unter anderem den Umgang mit PFAS – sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ – neu regeln soll. Nach dieser spezialisierten Anpassung wird eine umfassendere Reform erwartet, die 2027 in Kraft treten könnte.

Forschung als Innovationsmotor für Recyclingbeton

Auch die wissenschaftliche Perspektive wurde beim BRV-Tag stark eingebunden. Ildiko Merta präsentierte Ergebnisse des Projekts UPCRETE!, das höhere Recyclinganteile in Beton ermöglicht, ohne die technischen Leistungswerte zu verschlechtern. Druckfestigkeit und Materialqualität bleiben dabei auf hohem Niveau.

Jakob Lederer ergänzte diese Ergebnisse durch Untersuchungen zur Trocken-Nass-Aufbereitung und sensorbasierten Sortiertechnologien. Diese Verfahren ermöglichen eine gezielte Entfernung von Störstoffen und verbessern damit die Qualität des Recycling-Baustoffs signifikant.

BRV-Präsident Thomas Kasper sieht in diesen Entwicklungen ein klares Signal für die Zukunftsfähigkeit der Branche. Der BRV-Tag zeige exemplarisch, wie stark Innovation, Regulierung und Praxis inzwischen ineinandergreifen und die Kreislaufwirtschaft im Bau nachhaltig vorantreiben.

www.brv.at

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