Der Mont-Blanc-Tunnel wird bis 2042 umfassend saniert. Für die Baupraxis bedeutet das: Arbeiten unter Extrembedingungen, eng getaktete Sperrfenster und höchste Anforderungen an Sicherheit und Logistik. Bei einem 400-m-Abschnitt setzte das Bauunternehmen Cogeis SpA auf einen neuen Radfertiger von Joseph Vögele AG – mit messbarem Effekt auf Tempo, Qualität und Ablauf.

Nachtfenster, hoher Druck
Rund zwei Millionen Fahrzeuge pro Jahr nutzen die Verbindung zwischen Chamonix und Courmayeur. Entsprechend knapp sind die Zeitfenster: Gesperrt wird nur für wenige Wochen und zahlreiche Nächte. In einer einzigen Nacht musste auf 400 m Länge eine 5 cm starke Deckschicht über 6,5 m Breite eingebaut werden. Begrenzter Raum, Dunkelheit und Sicherheitsauflagen verschärfen die Randbedingungen zusätzlich. Entscheidend ist daher eine Kombination aus hoher Einbauleistung, stabiler Prozesskette und minimalen Rüstzeiten.
Leistung und Wendigkeit im Tunnel
Zum Einsatz kam der SUPER 1803-5 X, flankiert von einem SUPER 1303-3i für Nebenflächen. Der Universal-Class-Fertiger erreicht bis zu 700 t/h und deckt Einbaubreiten bis 8,25 m ab. Im Projekt ermöglichte das den nahtlosen Einbau beider Fahrspuren in einem Zug. Gleichzeitig ist Wendigkeit im Tunnel essenziell: Mit Pivot Steer reduziert sich der Wenderadius auf 4,2 m, was das Manövrieren in den engen Querschnitten deutlich erleichtert. Parallel wurden mit dem Kompaktfertiger drei Nothalte- und Pannenbuchten mit insgesamt 150 m Länge und 2,8 m Breite hergestellt.

Bediener Lori Bibe beschreibt den Praxiseindruck so: „Der SUPER 1803-5 X ist wendig, geräuscharm und technologisch ganz vorne. Neue Automatikfunktionen oder Ausstattungen wie das integrierte Lichtpaket Plus waren hier im Tunnel besonders hilfreich.“
Strich-5-Technologie beschleunigt Abläufe
Ein zentrales Effizienzmerkmal der neuen Generation ist die vereinfachte Inbetriebnahme. Über Paver Access Control (PAC) lassen sich die initialen Schritte direkt von der Bohle aus per Tastendruck ausführen: Beleuchtung und Motor starten, Dach aufstellen, Bohle absenken, Steuerung hochfahren. Gerade im dunklen Tunnel reduziert das Wege und Zeitverluste und erlaubt einen schnelleren Übergang in die Arbeitsphase.

Auch das Lichtkonzept zahlt auf die Produktivität ein. Das optionale Lichtpaket Plus integriert zusätzliche LED-Leuchten im Dach und an der Querführung des Bedienpults, eine Beleuchtung der Nivellierzylinder sowie frei positionierbare Scheinwerfer. Eine Dachverlängerung mit Hochleistungs-LEDs leuchtet den Arbeitsbereich bis zu 10 m breit und bis zu 4 m hinter der Bohle gleichmäßig aus. „So konnten wir die Maschine schnell einrichten und vorbereiten, ohne dass wir zusätzliches Licht brauchten – und dann bei optimalen Lichtverhältnissen arbeiten“, so Bibe.
Emissionen, Lärm und Rüstzeit im Griff
In geschlossenen Bauwerken wie Tunneln sind Emissionen und Geräuschentwicklung besonders kritisch. Das Antriebskonzept des SUPER 1803-5 X reduziert Verbrauch sowie CO₂- und Schallemissionen, unter anderem durch das optimierte EcoPlus-Paket. Ergänzend arbeitet die Ausziehbohle AB 500 TV der neuesten Generation leiser als bisher. Polier Antonio Lachi betont: „Diese Faktoren sind gerade bei engen, geschlossenen Baustellen wie hier im Tunnel entscheidend.“

Zeitgewinne ergeben sich zudem beim Umrüsten: Ein neues Führungs- und Positionierungssystem für Bohlenverbreiterungen sowie ein effizientes Aufheizen der Verdichtungsaggregate verkürzen die Rüstphase. „Die neue Ausziehbohle ist sehr bedienerfreundlich und hat uns hier viel Zeit gespart“, sagt Lachi.
Qualität trotz logistischer Hürden
Trotz zweistündiger Anfahrt des Mischguts bei winterlichen Temperaturen gelang eine gleichmäßige Materialvorlage. Das optimierte Materialmanagement sorgte für stabile Förderströme und konstante Einbauqualität – ein kritischer Faktor unter Zeitdruck. Das Projekt im Mont-Blanc-Tunnel zeigt damit praxisnah, was die Strich-5-Generation leistet: höhere Prozesssicherheit, schnellere Abläufe und bessere Arbeitsbedingungen im anspruchsvollen Tunnelbau.

