Mit dem Durchschlag der Tunnelbohrmaschine „Wilma“ ist erstmals eine durchgehende Eisenbahntunnelröhre des Brenner Basistunnels hergestellt. Der westliche Haupttunnel verbindet nun die Sillschlucht bei Innsbruck mit Franzensfeste in Südtirol über rund 55 Kilometer – ein Meilenstein für eines der größten Infrastrukturprojekte Europas.
Durchschlag nach 706 Tagen im Berg
Am 25. August 2026 erreichte „Wilma“ ihr Ziel. Der Moment, in dem sich der 260 Tonnen schwere Bohrkopf durch die letzten Zentimeter des Gebirges arbeitete, markierte den Abschluss von rund 706 Tagen Vortrieb. Hinter der Maschine liegen etwa 7,5 Kilometer Tunnel, tausende Umdrehungen des Schneidrads sowie die Durchquerung mehrerer geologisch anspruchsvoller Störzonen.

Die Emotionen auf der Baustelle waren entsprechend groß. Mitarbeitende der Projektgesellschaft BBT SE und der Arbeitsgemeinschaft H53 erlebten den Durchbruch als sichtbares Ergebnis einer langen, technisch und organisatorisch komplexen Bauphase.
„Wilma“ als industrielle Fertigungseinheit
Gestartet wurde die TBM am 18. September 2024 im Baulos H53 Pfons–Brenner. Mit einer Länge von rund 180 Metern, einem Bohrdurchmesser von 10,37 Metern und einem Gesamtgewicht von etwa 2.700 Tonnen arbeitet „Wilma“ wie eine Fabrik im Berg.

Während vorne der Bohrkopf mit 4.550 kW Antriebsleistung das Gebirge löste, liefen im Inneren parallel mehrere Prozesse. Tübbinge wurden per Baustellenzug angeliefert und automatisiert eingebaut, das Ausbruchmaterial über Förderbänder abgeführt und die geologischen Verhältnisse laufend überwacht. Insgesamt wurden mehr als 23.000 Tübbinge verbaut und rund 3.700 Tunnelringe hergestellt.
Geologie als ständiger Risikofaktor
Der Vortrieb verlief nicht durchgehend homogen. Mehrfach traf die Maschine auf Störzonen, in denen sich die Gebirgseigenschaften innerhalb weniger Meter stark veränderten. Solche Abschnitte erfordern angepasste Vortriebsparameter, zusätzliche Sicherungsmaßnahmen und eine enge Abstimmung zwischen Maschinentechnik und Geologie.

Gerade diese Phasen zeigen die Leistungsfähigkeit moderner Tunnelbohrtechnik. Die Kombination aus hoher installierter Leistung von knapp 9.928 kW und kontinuierlicher Überwachung ermöglichte es, auch schwierige Abschnitte kontrolliert zu bewältigen.
Logistik entscheidet über Effizienz
Die Dimension des Projekts wurde bereits bei der Montage deutlich. Rund 80.000 Einzelteile wurden in 170 Spezialtransporten zur Baustelle gebracht und in einer unterirdischen Kaverne zusammengebaut. Im laufenden Betrieb setzte das Projektteam konsequent auf kurze Wege und schienengebundene Transporte.
„Bei einem Projekt dieser Größenordnung ist die Logistik mindestens so wichtig wie die Maschine selbst. Wir wollten möglichst wenige Transporte über die Straße abwickeln. So konnten wir die Abläufe effizient gestalten und gleichzeitig rund 45.000 Lkw-Fahrten einsparen“, erklärt Michael Knapp, BBT-Projektleiter des Bauloses H53 Pfons–Brenner.

Die rund zehn Tonnen schweren Tübbinge wurden über den Gleisanschluss Wolf per Bahn angeliefert und direkt zur TBM gebracht. Auch das Ausbruchmaterial blieb im System kurzer Wege: Förderbandanlagen transportierten das Gestein unmittelbar von der Ortsbrust zur Deponie im Padastertal.
Meilenstein für den Brenner Basistunnel
Mit der vollständigen Herstellung der westlichen Haupttunnelröhre wächst der Brenner Basistunnel weiter zu einem durchgängigen Gesamtsystem zusammen. Einzelne Bauabschnitte sind nun erstmals physisch verbunden. Für den weiteren Ausbau bedeutet das eine neue Qualität in Bauablauf und Logistik.
Der Durchschlag von „Wilma“ steht damit nicht nur für eine technische Einzelleistung, sondern für das Zusammenspiel von Maschine, Mannschaft und Organisation auf höchstem Niveau.

