Hoch über dem Neckartal erreicht der Bau der Hochbrücke Horb eine entscheidende Phase: Mit dem Einbau der Schrägseile wird die Tragstruktur erstmals sichtbar. Der Schritt markiert nicht nur einen Meilenstein im Bauablauf, sondern auch den Übergang in eine hochkomplexe Montagephase mit maximalen Anforderungen an Präzision und Koordination.
Zentrales Bauteil im Fokus
Im Auftrag des Regierungspräsidiums Karlsruhe realisiert Porr Ingenieurbau eine 667 Meter lange Hochbrücke. Aktuell konzentrieren sich die Arbeiten auf den Überbau – und damit auf den konstruktiv sensibelsten Abschnitt des Projekts.

Die Schrägseile übernehmen dabei eine Schlüsselrolle. An den Achsen 30, 40 und 50 wird der Überbau mit jeweils fünf Seilen pro Steg eingehängt. Die Anordnung erfolgt in Harfenform, die Lastabtragung ist integraler Bestandteil des Tragkonzepts.
Die Hochbrücke Horb ist als Extradosed-Brücke ausgeführt. Diese Bauweise kombiniert Elemente des klassischen Spannbetonbaus mit denen einer Schrägseilbrücke. Das Ergebnis: eine effiziente Lastverteilung bei vergleichsweise niedrigen Pylonen.
Hochfeste Litzen und definierte Geometrie
Zum Einsatz kommen Litzenbündelseilsysteme mit klar definierten Parametern:
- 108 hochfeste Spannstahllitzen pro Verankerung
- Neigung der Seile: rund 18 Grad zur Horizontalen
- Befestigung an den Pylonen über integrierte Ankerkonstruktionen
Die Seile bestehen aus gewachsten und PE-ummantelten Litzen. Zusätzlich werden sie in HDPE-Hüllrohre eingezogen, um einen dauerhaften Schutz gegen Umwelteinflüsse sicherzustellen.
Präzisionsarbeit im Bestand der Tragstruktur
Die Grundlage für den aktuellen Bauabschnitt wurde bereits beim Bau der Pylone gelegt. In die Betonquerschnitte wurden Ankerboxen integriert, die später die Kräfte aus den Schrägseilen aufnehmen.

Über Kopfbolzendübel sind diese kraftschlüssig mit dem Beton verbunden. Sie gewährleisten die sichere Einleitung der Zugkräfte in die Tragstruktur. Parallel dazu wurden an der Unterseite der Hauptträger Lisenen für die spätere Seilverankerung hergestellt.
Gerade diese Bereiche stellten hohe Anforderungen an die Ausführung. Die Bewehrungsdichte im Stahlbeton war extrem hoch. Entsprechend entscheidend war eine exakt geplante und umgesetzte Bewehrungsführung, um Einbauteile millimetergenau positionieren zu können.
Spannprozess in definierten Stufen
Das Spannen der Schrägseile erfolgt von den unterhalb des Überbaus angeordneten Spannankern. Der Prozess läuft in mehreren exakt definierten Spannstufen ab, um die Lasten kontrolliert in das System einzuleiten.
Nach dem Vorspannen werden die Litzenende gekürzt, mit Korrosionsschutz versehen sowie durch Abdeckkappen dauerhaft geschützt. Diese Schritte sind essenziell für die Dauerhaftigkeit und Betriebssicherheit des Bauwerks.
Bauablauf erreicht nächsten Meilenstein
Die Unterbauten der Hochbrücke sind bereits fertiggestellt. Mit dem Beginn des Schrägseileinbaus folgt nun eine Phase, in der das Bauwerk zunehmend seine endgültige Form annimmt.
In den nächsten Bauabschnitten stehen unter anderem der Verschub des Traggerüsts, der Einhub weiterer Grobbleche sowie die Herstellung zusätzlicher Seilbereiche an. Mit jedem montierten Seil wächst die Brücke sichtbar weiter – und entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem prägenden Infrastrukturbauwerk über dem Neckartal.

